Vorwahlen in den USA

Kurz erklärt!

Die regulär alle vier Jahre stattfindende Wahl zum amerikanischen Präsidenten stellt nicht allein ein nationales politisches Ereignis dar, sondern wird aufgrund der herausgehobenen weltpolitischen Stellung der Vereinigten Staaten in den meisten Ländern der Erde mit Spannung verfolgt. Dabei zeichnen sich bereits die Vorwahlen, die in der ersten Hälfte des Wahljahres veranstaltet werden, durch eine Reihe von besonderen Eigenheiten und Superlativen aus.

 

Bei den Vorwahlen bestimmt jede Partei ihren Präsidentschaftskandidaten oder -kandidatin nach folgendem groben Ablauf:

  1. Die Bewerberinnen und Bewerber sammeln rund sechs Monate lang Delegiertenstimmen ihrer Partei.
  2. Wer am Ende die meisten Stimmen hat, wird auf einem Parteitag im Sommer nominiert.

 

Nachteile des Verfahrens:
Das Verfahren ist lang und teuer. Viele springen vorher ab. Die Kandidaten tingeln durch die Bundesstaaten, halten Tausende Reden in Turnhallen oder auf Frühlingsfesten, essen mit der Bevölkerung, machen Selfies und geben Autogramme. Man braucht eine robuste körperliche Verfassung, um das durchzustehen. Dazu kommen Fragerunden im Fernsehen. Doch dieses ganze umfassende Programm ist erst die Vorwahl, bei der die beiden Kandidaten bestimmt werden, die dann ab dem Sommer gegeneinander antreten. Im Sommer geht der ganze Wahlkampf erneut von vorne los.

 

Die Vorteile:
Warum also dieses aufwendige Verfahren? Warum bestimmt nicht einfach jede Partei auf einem Parteitag ihren Kandidaten? Das Ziel ist, dass möglichst viele Menschen die Chance bekommen, den möglichen künftigen Präsidenten oder die Präsidentin zu sehen, entweder im Fernsehen oder vielleicht sogar persönlich - aus dieser Perspektive eigentlich ein recht demokratisches Verfahren.

Nach oben

Wie laufen Vorwahlen konkret ab?

Seit den 1860er Jahren sind die USA fest durch ein Zweiparteiensystem geprägt, so dass die Präsidenten von Franklin Pierce (1853–1857) an stets der Demokratischen oder der Republikanischen Partei angehörten.

Die "Primaries"
Die in allen 50 Bundesstaaten durchgeführten Vorwahlen (Primaries, in manchen Bundesstaaten auch als Caucus abgehalten) kommen dem Prinzip der Volkssouveränität nach, welches bereits in der Amerikanischen Revolution zur »Quelle aller Regierungsmacht« erklärt wurde. Dabei dürfen entweder nur die Anhänger einer Partei, die sich registrieren ließen (Closed Primary), oder alle registrierten Wählerinnen und Wähler (Open Primary) die Vorauswahl des Präsidentschaftskandidaten bestimmen – im Unterschied etwa zur Bundesrepublik, wo in der Regel die Kanzlerkandidaten bzw. -kandidatinnen von einem relativ engen Parteizirkel, allenfalls durch alle Mitglieder der jeweiligen Partei gewählt werden.

Die Nominierung
Die bei den Primaries bzw. Caucuses gewählten Delegierten nominieren schließlich auf den jeweiligen Parteitagen (National Convention) den Präsidentschaftskandidaten. Möchte sich ein Präsident nach seiner ersten Amtszeit erneut um das Amt bewerben, so muss er sich in der Regel keinem parteiinternen Gegenkandidaten in den Vorwahlen stellen, sondern wird direkt beim nationalen Parteitag zum Präsidentschaftskandidaten gekürt.

Allerdings bedarf die Durchführung eines Wahlkampfes um das Präsidentenamt in den USA – im Unterschied zur Bundesrepublik – ausgesprochen hoher finanzieller Mittel, die der Wahlkämpfer bzw. die Wahlkämpferin insbesondere durch Spenden einwerben muss: Schätzungen zufolge belaufen sich die Kosten allein für die Vorwahlen mindestens auf 100 Millionen Dollar, für eine gesamte Wahlkampagne auf etwa eine Milliarde Dollar pro Kandidat.

Nach oben

Weitere Informationen zum Wahlsystem der USA

Nach oben

Stand: Februar 2020, Internetredaktion der LpB BW
Teilweise basierend auf Texten aus Politik & Unterricht 2012: USA.