Die Demokraten

Die Demokratische Partei, Democratic Party, ist die ältere und nach Mitgliederzahl stärkere der beiden großen amerikanischen Parteien und zählt zu den ältesten politischen Vereinigungen der Welt. 16 der bisherigen 45 US-Präsidenten waren Demokraten. Bei den Präsidentschaftswahlen 2024 geht Kamala Harris als Kandidatin für die Demokraten ins Rennen.
Parteigründung und umstrittene Positionen zur Sklaverei
Die Demokraten gingen im frühen 19. Jahrhundert aus der Partei der Demokratischen Republikaner hervor, auch Jefferson-Republikaner genannt. Diese war schon 1792 von Thomas Jefferson gegründet worden. Die Demokraten dominierten die Politik Amerikas in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Doch ihre Haltung zur Sklaverei beendete die Vormachtstellung. Die Demokraten im Süden befürworteten die Sklaverei. 1860 kam es zu einer Spaltung des Nordflügels von der südlichen Fraktion. Der folgende Sezessionskrieg (1861 bis 1865) führte zum jahrzehntelangen Legitimationsverlust der Partei, da den Südstaaten während der militärischen Besatzung das Wahlrecht entzogen wurde. Danach waren die Südstaaten dafür Jahrzehnte lang die Machtbastion der Demokraten.
Wandel zur liberalen Partei der linken Mitte
Im 20. Jahrhundert bewirkte der gesellschaftliche Wandel in Folge der Industrialisierung eine Veränderung in den politischen Standpunkten der Partei. Die Demokraten griffen Forderungen der Arbeiterschaft auf und verlangten staatliche Maßnahmen im sozialen und wirtschaftlichen Bereich. In den 1960er Jahren profilierten sich die Demokraten unter den Präsidenten John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson als Vorreiter der schwarzen Bürgerrechtsbewegung und des linksliberalen Sozialstaats. Die wirtschaftlichen Folgen brachten die Partei in Misskredit und führten 1980 zur bis 1993 andauernden republikanischen Herrschaft. Danach war der Demokrat Bill Clinton bis 2001 Präsident der USA. 2008 und 2012 konnte der demokratische Politiker Barack Obama die Präsidentschaftswahlen für sich entscheiden. Bidens ehemaliger Vize, Joe Biden, gewann die Präsidentschaftswahlen 2020.
Die Demokraten gelten als die liberalere Partei Amerikas. Allerdings reicht das politische Spektrum innerhalb der Partei von links bis konservativ. Grundsätzlich setzen sich die Demokraten für einen stärkeren Staat und für eine Reglementierung der Wirtschaftsordnung ein. Außerdem sehen sie es als Pflicht der Regierung an, soziale und wirtschaftliche Programme für die Bedürftigen bereitzustellen. Soziale Themen sind die Bastion der Demokraten. So steht die Partei für das Recht auf Abtreibung und die politische Durchsetzung der Gleichberechtigung aller Bevölkerungsgruppen über Quotenregelungen. Dementsprechend setzte Präsident Obama in seiner Amtszeit die Einführung der ersten tatsächlich flächendeckenden Krankenversicherung durch. Die Demokraten treten außerdem für eine stärkere Gewichtung von Umwelt- und Klimaschutz und einen breiteren Zugang zu akademischer Bildung ein.

Heterogene Wählergruppen
Die Anhängerschaft der Demokraten ist vergleichsweise heterogen, was die Mobilisierung nicht immer erleichtert. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Demokraten als Stimme des multi-ethnischen, klassen-übergreifenden Amerikas etabliert. In großen Städten traditionell stark, haben die Demokraten zuletzt auch vermehrt bei Wählern aus vorstädtischen Regionen punkten können. Dies liegt zum einen in einer zunehmenden Diversifizierung begründet, und zum anderen sind die Demokraten längst nicht mehr nur die Partei der weniger wohlhabenden Menschen.
Die Demokraten schneiden heute in wirtschaftlich starken Regionen besonders gut ab. Im Kongress vertraten sie ab 2022 25 der 26 einkommensstärksten Wahlbezirke. Die Wählerkoalition der Demokraten bildet heute eine Art U-Form. Auf der einen Seite finden sich hoch gebildete Menschen mit guten Jobs und einer kulturell liberalen Weltanschauung. Zugleich werden Demokraten bevorzugt von Menschen mit niedrigem Einkommen aus dem städtischen Umfeld – oftmals people of colour – gewählt. Eingebüßt haben die Demokraten in den letzten Jahren hingegen bei weißen Arbeitern und bei jenen, die Abstiegsängste haben.
Rückbesinnung auf soziale Gerechtigkeit unter Joe Biden
Zur Wahrheit gehört auch, dass die Demokraten lange Zeit den Interessen der Besserverdienenden und der Tech-Unternehmen mehr Beachtung geschenkt haben als jenen der Mittelschichten, Gewerkschaften und Angestellten. In der Amtszeit von Joe Biden vollzogen die Demokraten allerdings eine Kehrtwende. Der Aspekt der sozialen Gerechtigkeit spielt wieder eine wesentlich bedeutsamere Rolle. Es gibt mehr öffentliche Investitionen und Umverteilung – allerdings mit einer wichtigen Ausnahme: Während die Demokraten vor Steuererhöhungen für die zwei reichsten Prozent der Amerikaner nicht zurückschrecken, macht man um Steuererhöhungen für Besserverdiener, die nicht zu den Top-Zwei-Prozent gehören einen weiten Bogen. Schließlich sind hoch qualifizierte Besserverdiener längst eine unverzichtbare Wählergruppe der Demokraten.
Hochburgen der Demokraten sind die bevölkerungsreichen Staaten an der Pazifikküste, der Nordosten des Landes und die Great-Lakes-Region, während die meisten kleineren Staaten des Binnenlandes von den Republikanern dominiert werden. Da die kleinen Staaten im Wahlmännergremium überrepräsentiert sind, benötigen demokratische Kandidaten tendenziell mehr Stimmen für einen Wahlsieg als die republikanischen. Obwohl die Demokraten bei fünf von sechs der letzten Präsidentschaftswahlen landesweit die meisten Stimmen erhielten, konnten sie de facto nur drei dieser Wahlen auch tatsächlich gewinnen.
Autor: Internetredaktion LpB BW | letzte Aktualisierung: September 2024.