Mike Pence vs. Kamala Harris

Der Vergleich der Vize-Präsidentschaftskandidat*innen

Mike Pence, Vizepräsident von US-Präsident Donald Trump (Republikaner), und Kamala Harris, "Running Mate"  des Herausforderers Joe Biden (Demokraten), trafen am 7. Oktober bei einer Fernsehdebatte aufeinander. Aber welchen Werdegang haben Mike Pence und Kamala Harris und welche politischen Positionen vertreten sie?

Vizepräsident Mike Pence

Persönliche Daten

Mike Pence ist 61 Jahre alt (geboren am 7. Juni 1959). Pence wurde in Indiana geboren; seine Eltern besaßen mehrere Tankstellen. Er ist seit 1985 mit Karen Pence, einer früheren Grundschullehrerin, verheiratet. Das Paar hat drei erwachsene Kinder. Pence stammt ursprünglich aus einer gläubigen katholischen Familie, trat später jedoch einer evangelikalen Gemeinschaft bei.

 

 

Ausbildung und Beruf

Pence studierte Geschichte am Hanover College, bevor er 1986 als 27-Jähriger seinen Jura-Abschluss an der Indiana University ablegte. Danach betrieb er einige Jahre lang eine private Anwaltspraxis. 1992, als 33-Jähriger, begann er, als Moderator einer konservativen Radiosendung in Indiana zu arbeiten. Drei Jahre später wurde er zusätzlich Moderator einer ebenfalls konservativen Fernsehsendung, die am Sonntagmorgen ausgestrahlt wurde. Beide Tätigkeiten gab er 1999 auf, kurz bevor er in den Kongress gewählt wurde. 

 

Politische Karriere

Nach zwei erfolglosen Anläufen wurde Pence 2000 ins US-Repräsentantenhaus gewählt. Von 2013 bis 2017 war er Gouverneur des Bundesstaates Indiana. Im Wahlkampf warb er mit Steuersenkungen und der Schaffung neuer Jobs. Während seiner Amtszeit senkte er die Unternehmenssteuern und investierte mehr als 800 Millionen Dollar in den Ausbau von Straßen und Brücken. Im Bereich der vorschulischen Bildung (Pre-education) führte er eine staatliche Finanzierung ein.

Pence unterschrieb ein Gesetz, das es Frauen verboten hätte, aufgrund einer Behinderung des Fötus abzutreiben; das Gesetz wurde allerdings als verfassungswidrig aufgehoben. Außerdem unterzeichnete er ein Gesetz zur "Wiederherstellung der religiösen Freiheit". Gegner*innen warfen ihm vor, dass das Gesetz es beispielsweise Geschäftsinhaber*innen erlauben würde, Schwule und Lesben zu diskriminieren. Daraufhin fügte Pence einen Zusatz hinzu, der eine Benachteiligung "aufgrund der sexuellen Orientierung, Rasse, Religion oder Behinderung" ausschloss. 

Im Juli 2016 wählte Donald Trump ihn als sein "Running Mate" aus. Nach dem gemeinsamen Wahlsieg im November 2016 wurde Pence im Januar 2017 zum Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten ernannt. In dieser Position unterstützte er die Politik Donald Trumps und verteidigte ihn während zahlreicher Skandale.

Im Februar 2020 wurde Mike Pence zum Leiter der Arbeitsgruppe der Bundesregierung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in den USA ernannt. In dieser Funktion sah er sich scharfer Kritik ausgesetzt, die Krankheit zu verharmlosen. 

 

Politische Positionen

Pence gilt im Gegensatz zu Trump als ruhig und besonnen, in seinen Überzeugungen allerdings als unbeirrbar und ideologisch. „I’m a Christian, a conservative, and a Republican – in that order“, so fasste Mike Pence seine politische Haltung 2016 bei seiner Nominierung zum Vizepräsidentschaftskandidaten zusammen.

Tief in seinem Glauben verwurzelt vertritt er konservative Ansichten. Er setzt sich gegen Abtreibung und die Gleichberechtigung der LGBTQ-Community ein. Zudem befürwortet er die Forderung, neben der Evolutionstheorie auch die christliche Schöpfungslehre als Entstehungsgeschichte der Menschheit in Schulen zu unterrichten. Mit seinen religiösen Überzeugungen soll Pence eine entscheidende Wählergruppe ansprechen: die weißen Evangelikalen und konservativen Christen.

Bei Wirtschaftsthemen befürwortet Pence einen schlanken Staat und niedrige Steuern. Pence leugnet wie Trump den Klimawandel und ist ein Gegner von schärferen Waffengesetzen. Außerdem befürwortet er strengere Einwanderungsgesetze.

Herausforderin Kamala Harris

Persönliche Daten

Die 55-jährige Kamala Harris (geboren am 20. Oktober 1964) ist die Tochter eines aus Jamaika stammenden Wirtschaftsprofessors und einer aus Indien stammenden Krebsforscherin. Sie wurde in Kalifornien geboren und wuchs nach der Scheidung ihrer Eltern teilweise in Kanada auf. Harris ist sowohl die erste schwarze Frau als auch die erste Frau mit asiatischen Wurzeln, die zur amerikanischen Vizepräsidentin gewählt werden könnte. Harris ist seit 2014 mit dem jüdischen Anwalt Douglas Emhoff verheiratet und hat zwei Stiefkinder. 

Ausbildung und Beruf

Kamala Harris studierte Wirtschafts- und Politikwissenschaften an der afroamerikanischen Howard University und Jura an der University of California in San Francisco. 1990 erhielt sie ihre Zulassung als Anwältin. Danach arbeitete sie acht Jahre lang als Bezirksstaatsanwältin (deputy district attorney) in Alameda County, bevor sie 1998 als Abteilungsleiterin zur Bezirksstaatsanwaltschaft in San Francisco wechselte (assistant district attorney). Danach arbeitete sie für die Stadtverwaltung von San Francisco, wo sie sich um Fälle von Kindermissbrauch und -vernachlässigung kümmerte. 

Politische Karriere

2004 wurde Kamala Harris zur Leiterin der Bezirksstaatsanwaltschaft von San Francisco (district attorney) gewählt - im Gegensatz zu Deutschland wird man in diese Position in den USA nicht ernannt, sondern von der Bevölkerung gewählt. Im Wahlkampf versprach die damals 37-jährige Harris, grundsätzlich nicht auf Todesstrafe für Beschuldigte zu plädieren, woran sie sich später hielt. Sie initiierte ein Resozialisierungsprogramm für nicht-gewalttätige Straftäter*innen zwischen 18 und 30 Jahren, das später auf den ganzen Bundesstaat Kalifornien ausgedehnt wurde. Harris startete auch eine Initiative gegen Schulschwänzen, das Eltern von häufig abwesenden Kindern mit Strafen von einer Geldstrafe bis hin zu einem Jahr Gefängnis bedrohte. 

Ende 2010 wurde Kamala Harris als 44-Jährige im US-Bundesstaat Kalifornien zum Attorney General gewählt - ein Amt, das sowohl die Aufgaben einer Generalstaatsanwältin als auch einer Justizministerin umfasst. In dieser Funktion setzte sie sich unter anderem für die Rechte von überschuldeten Hausbesitzer*innen und die rechtliche Möglichkeit einer gleichgeschlechtlichen Ehe in Kalifornien ein. Eine Initiative zur Abschaffung der Todesstrafe in dem US-Bundesstaat unterstützte sie hingegen nicht, obwohl sie keine Befürworterin der Todesstrafe ist. 2016 wurde Kamala Harris in den US-Senat gewählt, wo sie den Bundesstaat Kalifornien vertritt. 

Harris nahm selber am Vorwahlkampf der US-Demokraten für die Präsidentschaftskandidatur teil, schied aber im Dezember 2019 aus. Im August 2020 gab Joe Biden kurz vor seiner Nominierung als demokratischer Präsidentschaftskandidat bekannt, dass er sich für Kamala Harris als "Running Mate" entschieden habe. 

Politische Positionen

Kamala Harris lässt sich weder dem linken noch dem moderaten Flügel der US-Demokraten eindeutig zuordnen. Ihre Positionen werden als "pragmatisch progressiv" beschrieben.

Sie setzt sich für eine Ausweitung der Krankenversicherung ein und unterstützte zeitweise sogar den Vorschlag Bernie Sanders für eine staatliche Krankenversicherung für alle Amerikaner*innen. Als kalifornische Generalstaatsanwältin unterstützte sie die "Ehe für alle". Sie setzt sich seit vielen Jahren gegen Hassverbrechen gegen Mitglieder der LGBTQ-Community ein. Während ihrer Präsidentschaftskampagne befürwortete sie steuerfinanzierte Abtreibungen für Frauen mit niedrigem Einkommen und setzte sich für eine sechsmonatige, bezahlte Elternzeit ein. 

Als Senatorin brachte sie einen Vorschlag für einen "Green New Deal" zur Bekämpfung des Klimawandels ein. Harris befürwortet seit vielen Jahren strengere Waffengesetze. Bei der Steuerpolitik möchte sie ärmere Familien entlasten. Außerdem befürwortet sie eine liberalere Einwanderungspolitik. 

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Letzte Aktualisierung: Oktober 2020, Internetredaktion der LpB BW