Trump oder Biden: Wer führte in den Umfragen?

Zur Bedeutung von Umfragen im US-Wahlkampf

US-Wahl: Bidens Vorprung in Umfragen zuletzt geschrumpft (Stand: Ende Oktober 2020, Statista)

Laut nationaler Umfragen lag Joe Biden als US-Präsidentschaftskandidat bereits Wochen vor dem Wahltag am 3. November vor dem amtierenden Präsidenten Donald Trump (Quelle: RealClearPolitics). Dennoch ging die Wahl am Ende äußerst knapp aus. Wie aussagekräftig sind daher solche Umfragewerte überhaupt? Warum lagen die Meinungsforscher auch bei diesen Präsidentschaftswahlen wieder daneben? Und welche Rolle spielen die sogenannten Swing States? Hier geben wir Antworten auf diese Fragen.

Welche Bedeutung haben nationale Umfragewerte?

Vor den Präsidentschaftswahlen in den USA führten Fernsehsender, Zeitungen und Forschungseinrichtungen regelmäßig nationale Umfragen durch: (Mögliche) Wähler*innen wurden befragt, ob sie am 3. November ihre Stimme Donald Trump oder Joe Biden geben würden. In den Monaten vor der Wahl erzielte der demokratische Kandidat Joe Biden konstant bessere Umfragewerte als der republikanische Amtsinhaber Donald Trump. Am Ende wurde es jedoch ein knappes Rennen, das die Meinungsforscher so nicht vorhergesagt hatten.

Dabei spielt eine Besonderheit im amerikanischen Wahlsystem eine Rolle: Nicht derjenige Kandidat, der die meisten Stimmen erzielt, wird automatisch der nächste Präsident. Denn amerikanische Präsidenten werden nicht direkt von den Wähler*innen gewählt, sondern über die Entsendung von Wahlfrauen und -männern. In den meisten US-Bundesstaaten gilt dabei das Prinzip "The winner takes all". Wer also in Kalifornien oder Texas eine Mehrheit bei den Wählerstimmen erhalten hat, bekommt alle Wahlfrauen und -männer dieses Bundesstaates zugesprochen. Das Wahlleute-Gremium (Electoral College) besteht insgesamt aus 538 Mitgliedern. Erreicht ein Kandidat eine Mehrheit von mindestens 270 Stimmen der Wahlleute, hat er die Wahl gewonnen.

Auch wenn Joe Biden insgesamt fast fünf Millionen Stimmen mehr erzielt hat, war lange Zeit nicht klar, ob er auch die Mehrheit von mindestens 270 Stimmen der Wahlleute erreichen würde. Hier spielen die sogenannten Swing States eine wichtige Rolle.

 

Infografik - Statista: Stimmen der Wahlleute für Trump bzw. Biden

In vielen US-Bundesstaaten erhalten regelmäßig entweder die Demokraten oder die Republikaner eine stabile Mehrheit. Deshalb spielen sogenannte Swing States ("schwankende Staaten") eine besonders wichtige Rolle, in denen sowohl Demokraten als auch Republikaner die Chance auf einen Sieg haben. Welcher Kandidat in den Swing States führt, ist deshalb aussagekräftiger als die nationalen Umfragewerte.

So lag zum Beispiel auch Hillary Clinton bei der letzten US-Wahl 2016 in den Umfragen für gewöhnlich vorne – sogar noch Tage vor der Wahl. Die Umfragen hatten also offenbar einen maßgeblichen Anteil von Wähler*innen nicht erfassen können – oder viele Wähler*innen entschieden sich erst kurzfristig für die Wahl von Donald Trump. Das war vor allem in den damals entscheidenden Schlüsselstaaten im Mittleren Westen der Fall.

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Welche Staaten galten 2020 als Swing States?

Statista: Hart umkämpfte Swing States

RealClearPolitics prognostizierte im Vorfeld der Wahl, dass das Rennen zwischen den US-Demokraten und den US-Republikanern in folgenden US-Bundesstaaten besonders knapp werden könnte:

  • Texas (38 Wahlleute von insgesamt 538)
  • Florida (29 Wahlleute)
  • Pennsylvania (20 Wahlleute)
  • Ohio (18 Wahlleute)
  • Georgia (16 Wahlleute)
  • Michigan (16 Wahlleute)
  • North Carolina (15 Wahlleute)
  • Arizona (11 Wahlleute)
  • Minnesota (10 Wahlleute)
  • Wisconsin (10 Wahlleute)

In Arizona und Florida war der Vorsprung für Joe Biden einen Tag vor der Wahl nur noch hauchdünn (1,2 Prozentpunkte in Arizona, 1,4 Prozentpunkte in Florida). In North Carolina lagen beide Kandidaten beinahe gleich auf. Am Ende war der Sieg Donald Trumps in Florida eindeutiger als gedacht - hier hatten sich die Meinungsforscher geirrt. In anderen Bundesstaaten wie Georgia, Michigan, Wisconsin oder Pennsylvania kam es jedoch zum prognostizierten Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Kontrahenten.

Daneben gibt es bei jeder Präsidentschaftswahl Bundesstaaten wie die nördlichen Ostküstenstaaten (New York, New Jersey oder Connecticut) und die Westküsten-Staaten Kalifornien, Oregon und Washington, in denen mit hoher Wahrscheinlichkeit die US-Demokraten gewinnen. In den Staaten des Mittleren Westens wie zum Beispiel Nord- und Süddakota oder Staaten des Südens wie Mississippi und Alabama wird dagegen stets ein deutlicher Wahlsieg der US-Republikaner erwartet.

Zu den Wahlergebnissen

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Warum lagen die Meinungsforscher in den Umfragen wieder falsch?

Noch ist die Analyse der Umfragen und ihrer Ergebnisse nicht abgeschlossen. Doch wie bereits 2016 lagen die US-Meinungsforscher*innen auch bei der Wahl 2020 wieder daneben. Sie hatten einen klaren Sieg für den Herausforderer Joe Biden von den Demokraten prognostiziert.

Am Ende wurde es ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Bundesstaaten, wo Biden zuvor in Umfragen geführt hatte. In anderen Bundesstaaten wie Texas oder Ohio, wo sich die Demokraten aufgrund der Umfragen Chancen ausgerechnet hatten, gewann der US-Präsident eindeutig. Besonders überraschend war der Wahlsieg Donald Trumps im hart umkämpften Bundesstaat Florida, mit dem die Meinungsforscher so nicht gerechnet hatten.

Woran liegt das? Darüber sind sich die Demoskopen noch nicht abschließend klar. Nach den falschen Umfrageergebnissen im Wahljahr 2016 hatten die Meinungsforschungsinstitute ihre Umfragen neu gewichtet, den Faktor Bildung stärker in den Vordergrund gerückt und auch berücksichtigt, dass sich bis zum Schluss noch etwas ändern könne. Und dennoch lagen sie auch bei dieser Präsidentschaftswahl wieder daneben.

Drei mögliche Gründe führen die Meinungsforscher*innen derzeit an:

  • Viele Trump-Anhänger*innen ließen sich schlichtweg nicht befragen, weil sie den Umfragen misstrauen. Daher fehlen ihre Meinungen.
  • Möglich ist auch, dass Trump-Wähler*innen ihre Wahlabsicht verschweigen.
  • Der asymmetrische Wahlkampf könnte sich auf das Wahlergebnis ausgewirkt haben. Während die Demokraten ihren Wahlkampf überwiegend im Internet geführt hatten, gingen die Republikaner von Haustür zu Haustür und hielten große Wahlkampfveranstaltungen ab. Dadurch hätten sie gegebenenfalls mehr Wähler*innen mobilisieren können.

Quelle: tagesschau.de

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Letzte Aktualisierung: November 2020, Internetredaktion der LpB BW