Chronologie nach der US-Wahl

Vom Wahltag bis zur Amtseinführung

Mit 306 von insgesamt 538 Wahlleuten ist der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden. Auch wenn Noch-Amtsinhaber Donald Trump von den Republikanern seine Niederlage weiterhin nicht anerkennt, hat er nun grünes Licht für die Übergangsphase gegeben. Joe Biden kann mit den Vorbereitungen zur Amtsübernahme beginnen. In unserer Chronologie erfahren Sie Wissenswertes über die Wochen der "transition" zwischen dem Wahltag am 3. November 2020 und der Amtseinführung am 20. Januar 2021.

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Wie geht es nach der Wahl weiter?

Fahrplan für die kommenden Wochen

  • 8. Dezember 2020 - "Safe Harbor"-Deadline: Bis zu diesem Tag müssen alle Rechtsstreitigkeiten geklärt und eventuelle Neuauszählungen in allen Bundesstaaten abgeschlossen sein. Die Wahlbehörden müssen die Ergebnisse offiziell bestätigt haben. Nach dem 8. Dezember sind alle Kandidatinnen und Kandidaten im "safe harbor" (sicheren Hafen), die Ergebnisse können nicht mehr angefochten werden. Wird die Frist für die offizielle Bestätigung der Wahlergebnisse versäumt, gibt es  - theoretisch - die Möglichkeit, dass sich die Landesparlamente einschalten und selbst entscheiden, wen sie ins Electoral College schicken. Hier böte sich ein Hintertürchen für Trump in Parlamenten mit republikanischer Mehrheit. Expert*innen halten diese Variante jedoch für höchst unwahrscheinlich.
  • 14. Dezember 2020 - Meldung der Ergebnisse und Meeting of Electors: Bis zu diesem Tag müssen alle Stimmzettel ausgezählt, offiziell gemeldet und - meist über den/die Gourverneur*in - nach Washington übermittelt werden. Die Wahlmänner und -frauen des Electoral College treffen sich ebenfalls an diesem Tag in ihrem Bundesstaat, um denjenigen Präsidentschaftskandidaten und Vizepräsidentschaftskandidaten zu wählen, für den sie nach dem Wahlergebnis zu wählen haben. Die Stimmzettel werden versiegelt und dem amtierenden Vizepräsidenten in seinem offiziellen Amt als Präsident des Senats übersandt. Dies ist Mike Pence. Auch hier böte sich eine weitere Gelegenheit für Trump: In 30 Bundesstaaten sind die Wahlleute gesetzlich dazu verpflichtet, den Wählerwillen umzusetzen. In den übrigen Bundesstaaten sind die Wahlmänner und -frauen zwar dazu angehalten, können sich jedoch auch für einen anderen Kandidaten entscheiden. Dies kommt allerdings nur sehr selten vor.
  • 5. Januar 2021 - Stichwahl für Senatssitze: Für beide Parteien ist das Rennen um zwei Sitze im Senat für den Bundesstaat Georgia noch offen. Über beide Mandate wird am 5. Januar 2021 in einer Stichwahl entschieden. Nach den bisherigen Wahlergebnissen haben die Republikaner derzeit eine Mehrheit von zwei Sitzen im Senat (50 Sitze für die Republikaner, 48 Sitze für die Demokraten). Sollte es am Ende zu einem Gleichstand von 50 zu 50 Sitzen kommen, entscheidet bei einem Patt die künftige Vizepräsidentin Kamala Harris von den Demokraten. 35 von 100 Sitzen im Senat waren bei den Wahlen am 3. November 2020 neu zu besetzen. Seit 2014 hatten die Republikaner eine Mehrheit von 53 zu 47 Sitzen - die Demokraten hatten vor dem 3. November gehofft, den Senat zurückzuerobern.
  • 6. Januar 2021 - Verkündung des Wahlsiegers: Die Stimmen der Wahlmänner und Wahlfrauen werden nach der Weihnachtspause vom Kongress ausgezählt. Der Vizepräsident als Präsident des Senats, in diesem Fall Mike Pence, hat den Vorsitz der Zählung und gibt die Ergebnisse der Wahl des Electoral College bekannt.
  • 20. Januar 2021 - Amtseinführung: Um 12 Uhr an diesem Tag endet die Amtszeit des bisherigen Präsidenten und es erfolgt die Vereidigung des neuen Präsidenten und seiner Vizepräsidentin. Sie übernehmen ab diesem Zeitpunkt die Amtsgeschäfte (Quellen: zdf heute, sueddeutsche.de).

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Wahlergebnisse

Wie haben die US-Amerikaner*innen gewählt? Welche Wählergruppen haben wie abgestimmt? Wie ging die Wahl in den Swing States aus? Und wer holte die Mehrheit im Kongress? Antworten auf diese Fragen finden Sie bei unseren Wahlergebnissen zur US-Wahl 2020.

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Wer gehört künftig zu Bidens Regierungsmannschaft?

24. November 2020

Der künftige Präsident Joe Biden hat erste Personalentscheidungen für seine Regierungsmannschaft getroffen:

  • Tony Blinken, bereits unter der Obama-Administration Vizeaußenminister, wird Außenminister.
  • Jake Sullivan wird zukünftiger Sicherheitsberater. Er beriet schon die Regierung von Präsident Barack Obama in Sicherheitsfragen.
  • John Kerry, ehemaliger Präsidentschaftskandidat der Demokraten und früherer Außenminister, ist ein entschiedener Gegner des Klimawandels. Er wird Klima-Sonderbeauftragter.
  • Alejandro Mayorkas wird als erster Hispanic (in Kuba geboren) in einer US-Regierung das Amt des Heimatschutzministers übernehmen.
  • CIA-Direktorin Avril Haines soll als erste Frau Geheimdienstkoordinatorin werden.
  • Die afroamerikanische Diplomatin Linda Thomas-Greenfield soll die USA als Botschafterin bei den Vereinten Nationen in New York vertreten.
  • Die ehemalige US-Notenbankchefin Janet Yellen wird Finanzministerin.

Final sind diese Personalentscheidungen noch nicht. Der Senat muss zu allen künftigen Regierungsmitgliedern seine Zustimmung geben.

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Was passiert in der Übergangsphase, für die Trump nun grünes Licht gegeben hat?

23. November 2020

Eigentlich ist es in den USA üblich, dass der scheidende Präsident in einer "concession speech" offiziell seine Wahlniederlage eingesteht und dem Überlegenen zu seinem Wahlsieg gratuliert (Quelle: Süddeutsche). Damit startet die Übertragung der Aufgaben von einem zum nächsten Präsidenten ("transition"). Diese Übergangsphase ist per Gesetz geregelt, eine unabhängige Behörde der US-Regierung, die General Services Administration (GSA), setzt das Gesetz um. Doch Donald Trump blockierte zunächst diesen Prozess.

Der amtierende Präsident erkennt seine Wahlniederlage zwar weiterhin nicht an und gibt sich kämpferisch. Dennoch hat er nun seine Blockadehaltung aufgegeben und am 23. November grünes Licht für den Übergangsprozess gegeben. Nun erhalten Joe Biden und sein Team Zugang zur Regierungsinfrastruktur. Über sechs Millionen US-Dollar stehen für die "transition" bereit. Diese Gelder werden beispielsweise für die Einstellung Tausender neuer Mitarbeiter*innen in Behörden und Ministerien benötigt.

Zudem ist es Aufgabe der GSA, dem künftigen Präsidenten und seinen Gefolgsleuten Zugänge zu Regierungsgebäuden, E-Mails und Computersystemen zu gewähren und Räume in jeder US-Behörde zu schaffen, damit mit der Arbeit begonnen werden kann. Besonders wichtig ist der Austausch mit bisherigen Regierungsmitarbeitern, beispielsweise für die nationalen Sicherheitsbriefings, aber auch bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Nur so kann ein reibungsloser Übergang gewährleistet werden. Bisher war es den Mitarbeiter*innen von Joe Biden nicht erlaubt, mit Regierungsbeamten zu kommunizieren (Quellen: tagesschau.de, spiegel.de).

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Was haben die Auszählungen in den umkämpften Bundesstaaten ergeben?

20./22./23./24. November 2020

  • Georgia: Im Bundesstaat Georgia erfolgte eine Neuauszählung der Stimmen per Hand. Das Ergebnis: Biden wurde am 20. November mit einem hauchdünnen Vorsprung von 12.200 Stimmen als Wahlsieger bestätigt und erhält die 16 Stimmen der Wahlleute (Quelle: tagesschau.de).
  • Pennsylvania: Eine Klage in Pennsylvania, die darauf abzielte, Briefwahlstimmen möglicherweise für ungültig zu erklären, wurde am 22. November 2020 von einem Bundesgericht abgelehnt (Quellen: sueddeutsche.de, tagesschau.de). Zwei Tage später wurde der Wahlsieg Bidens mit einem Vorsprung von rund 80.500 Stimmen offiziell bestätigt. Damit erhält der künftige Präsident die 20 Wahlleute des umkämpften Bundesstaats.
  • Michigan: In Michigan hatte Trumps Team mit mehreren Klagen versucht, die offizielle Anerkennung des Wahlsiegs hinauszuzögern. Außerdem telefonierte Trump mit mindestens einer republikanischen Wahlverantwortlichen und lud Republikaner aus Michigans Landesparlament ins Weiße Haus ein. Das weckte Befürchtungen, Trump wolle den Ausgang der Wahl in Michigan über das Landesparlament beeinflussen. Nun ist es aber offiziell: Die Wahlkommission, bestehend aus zwei Republikanern und zwei Demokraten, hat Joe Biden am 23. November offiziell zum Wahlsieger erklärt. Mit einem Vorsprung von rund 156.000 Stimmen holt er sich auch hier die 16 Stimmen der Wahlleute (Quelle: tagesschau.de).
  • Nevada: Auch in Nevada ist der Sieg des Demokraten Joe Biden bei der US-Präsidentschaftswahl offiziell. Der Oberste Gerichtshof des Staates beglaubigte am 24. November das Ergebnis. Biden holte 50 Prozent der Stimmen, der unterlegene Amtsinhaber Donald Trump 47 Prozent. Sechs Wahlleute gehen damit an Biden.
  • Wisconsin: In Wisconsin führte Joe Biden bisher nur mit einer hauchdünnen Mehrheit von rund 20.000 Stimmen. Donald Trump beantragte die Neuauszählung in zwei Wahlkreisen. Diese ist noch nicht abgeschlossen. Insgesamt geht es um mehrere Zehntausend Stimmen aus Briefwahlunterlagen, die laut einer Klage der Republikaner ungültig seien und daher nicht gezählt werden dürfen (Quelle: Süddeutsche).

 

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Wie reagiert Trump auf den Wahlsieg Bidens?

7./16./23. November 2020

Donald Trump erkennt den Wahlsieg seines Kontrahenten Joe Biden weiterhin nicht an. Auf Twitter kündigte er am 16. November "große Klagen" gegen den angeblichen Wahlbetrug an: "Unsere großen Klagen, die die Verfassungswidrigkeit der Wahlen 2020 und die Unverschämtheit aufzeigen, mit der Dinge getan wurden, um das Ergebnis zu verändern, werden bald eingereicht!" Beweise für seine Behauptungen hat er bislang nicht vorgelegt (Quelle: zeit.de).

Derzeit fechtet der Noch-Präsident in mehreren Bundesstaaten das Wahlergebnis an, bisher jedoch weitestgehend ohne Erfolg. Über 30 Klagen wurden bereits abgewiesen. Dennoch gehe der Kampf weiter, so Trump auf Twitter. Allerdings hat er nun den Weg frei gemacht, um den Übergang vom amtierenden zum künftigen Präsidenten einzuleiten. Trump hat seine Mitarbeiter*innen und die Behörden am 23. November angewiesen, mit Biden und seinem Team zu kooperieren (Quellen: tagesschau.de, spiegel.de).

Am 7. November, dem Tag, als Joe Biden von US-Medien zum Wahlsieger erklärt worden war, hatte Trumps Wahlkampfteam eine Erklärung veröffentlicht, in der von einer Verschwörung Bidens mit den US-Medien die Rede ist: "Wir wissen alle, warum Joe Biden sich beeilt, fälschlich als Sieger zu posieren, und warum seine Medien-Verbündeten mit allen Kräften versuchen, ihm zu helfen: Sie wollen nicht, dass die Wahrheit aufgedeckt wird. Die simple Tatsache ist, diese Wahl ist bei weitem nicht vorüber." Trump sprach von Betrug und forderte eine "ehrliche Stimmenzählung" (Quelle: Handelsblatt).

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Wie verhalten sich die US-Republikaner?

23. November 2020

Die meisten republikanischen Parteigenoss*innen schwiegen in den ersten Wochen nach dem Wahlsieg. Nur einige wenige Senatoren, Gouverneure und Kongressabgeordnete distanzierten sich von Trump. Doch das waren meist diejenigen, die auch schon früher Kritik am Präsidenten geübt hatten. Wenige gratulierten Joe Biden zum Sieg - prominentes Beispiel ist der ehemalige Präsident George W. Bush. Ansonsten hielten viele Gefolgsleute Donald Trump weiterhin die Stange und sprachen ebenfalls von Wahlbetrug und gestohlenen Stimmen (Quellen: Zeit online, Stuttgarter Zeitung).

Doch auch hier hat mittlerweile ein Umdenken eingesetzt. Republikanische Sicherheitsexperten haben ihre Kongressabgeordneten dazu aufgefordert, von Donald Trump zu verlangen, seine Wahlniederlage einzugestehen. Die Übergangsphase nicht einzuleiten, stelle ein "erhebliches Risiko für unsere nationale Sicherheit" dar, heißt es in einer Erklärung vom 23. November 2020, die von mehr als 100 Parteimitgliedern unterschrieben ist. Auch 164 hochrangige Geschäftsleute, darunter Großspender der republikanischen Partei, forderten Trump in einem Brief zu einer geordneten Machtübergabe an Biden auf (Quelle: spiegel.de).

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Wie sehen Bidens Pläne aus?

9. November 2020

Zwei Tage nach der Verkündung seines Wahlsiegs hat Joe Biden mit den Vorbereitungen für die Amtsübernahme begonnen. Auf der Webseite buildbackbetter.gov skizzieren Biden und seine künftige Vizepräsidentin Kamala Harris die Schwerpunkte der neuen Regierung: Kampf gegen die Corona-Pandemie, Erholung der Wirtschaft, Kampf gegen Rassismus und Klimawandel.

Kampf gegen die Corona-Pandemie

Joe Biden und Kamala Harris wollen der Corona-Krise entschieden entgegentreten und dabei - anders als Donald Trump - auf die Wissenschaft hören. Zur Erarbeitung einer Strategie im Kampf gegen COVID-19 bildete Biden einen Expertenrat aus Wissenschaftler*innen und Gesundheitsfachleuten. Ein erster 7-Punkte-Plan zur Bekämpfung der Pandemie sieht Folgendes vor:

  1. Sicherstellung, dass alle Amerikaner*innen Zugang zu regelmäßigen, zuverlässigen und kostenlosen Tests haben: durch mehr Drive-In-Teststationen, zusätzliche Investitionen in Schnell-Test-Verfahren, Etablierung eines Ausschusses zur Produktion und Verteilung von Tests, Einrichtung eines US Public Health Care Jobs Corps mit 100.000 Amerikaner*innen zur besseren Kontaktpersonennachverfolgung.
  2. Beschaffung und Lagerung von ausreichend Schutzausrüstung für alle Städte und Gemeinden.
  3. Bereitstellung klarer Handlungsempfehlungen für Städte und Gemeinden, wie mit der Pandemie umzugehen ist (Schließung von Geschäften, Restaurants, Schulen etc., Personenbeschränkungen für Verstaltungen etc.), und Bereitstellung finanzieller Mittel für Schulen, kleine Unternehmen und Familien während der Krise.
  4. Vorlage eines Plans zur wirksamen und gerechten Verteilung von Medikamenten, Behandlungen und Impfstoffen gegen das Corona-Virus für alle Amerikaner*innen; in die Impfstoffherstellung und -verteilung sollen 25 Milliarden US-Dollar investiert werden.
  5. Besonderer Schutz für ältere Menschen und Risikogruppen durch die Einrichtung einer speziellen Arbeitsgruppe und der Etablierung einer landesweiten Pandemie-Übersicht, damit sich Amerikaner*innen selbstständig über das Infektionsrisiko in ihrer Gemeinde informieren können.
  6. Wiederbelebung und Ausbau von staatlichen Institutionen zur Vorhersage, Überwachung und Verhinderung pandemischer Bedrohungen einschließlich der Wiederaufnahme der Beziehungen mit der Weltgesundheitsorganisation WHO.
  7. Einführung einer landesweiten Maskenpflicht in Zusammenarbeit mit Gouverneur*innen und Bürgermeister*innen.

Quellen: buildbackbetter.gov, tagesschau.de, Handelsblatt


 

Klimapolitik

Joe Biden hat bereits angekündigt, gleich am ersten Tag seiner Amtszeit dem Pariser Klimaabkommen wieder beizutreten. Außerdem hat er schon im Wahlkampf einen ambitionierten Klimaplan, einen "Green New Deal", vorgelegt, der weit über die Pläne des früheren demokratischen Präsidenten Barack Obama hinausgeht. Dieser sieht vor, die Vereinigten Staaten bis 2050 klimaneutral zu machen und die Stromversorgung der USA bis 2035 komplett auf erneuerbare Energien umzustellen.

Um dies zu erreichen, möchte Biden insgesamt zwei Billionen US-Dollar in den Umbau der Wirtschaft investieren. Er verspricht den Amerikaner*innen, durch diesen Transformationsprozess Millionen neuer Arbeitsplätze zu schaffen, beispielsweise in der Wind- und Sonnenenergiebranche, einer "klima-smarten" Landwirtschaft oder der Automobilindustrie. Hier liegt der Schwerpunkt auf Elektromobilität. Biden möchte die teilweise marode Infrastruktur massiv erneuern und verbessern, beispielsweise das Straßennetz, Wasserversorgungssysteme oder Breitband-Netze. Millionen von Gebäuden sollen energetisch saniert werden, Städte mit mehr als 100.000 Einwohner*innen emissionsfreien öffentlichen Nahverkehr erhalten. Hinzu kommen Finanzspritzen für neue Technologien wie Wasserstofftechnik oder "grüne Kernenergie". Allerdings benötigt er für viele seiner Vorhaben eine Mehrheit im Kongress. Doch darüber wird erst Anfang Januar 2021 entschieden.

Quellen: buildbackbetter.gov,  spiegel.de, tagesschau.de

Welche Positionen Joe Biden im Wahlkampf noch vertrat: mehr

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Was bedeutet der Sieg Joe Bidens für Deutschland und Europa?

9. November 2020

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Joe Biden und Kamala Harris in einer Ansprache zum Sieg gratuliert und freue sich auf die Zusammenarbeit. Gleichzeitig fordert sie einen engen transatlantischen Schulterschluss. "Die USA und Deutschland als Teil der EU müssen zusammenstehen, um die großen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen", erklärte sie. Gemeint sind damit unter anderem die Corona-Pandemie, die Folgen des Klimawandels und der internationale Terrorismus (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gratulierte Biden und Harris herzlich zu ihrem Sieg und betonte, dass die EU und die USA  "Freunde und Verbündete" seien. Auf Twitter schrieb sie: "Die EU-Kommission steht bereit, die Zusammenarbeit mit der neuen Regierung und dem neuen Kongress zu intensivieren" (Quelle: Zeit online).

Mit einem grundsätzlichen Kurswechsel in den transatlantischen Beziehungen rechnet im politischen Berlin jedoch niemand. So sagte Außenminister Heiko Maas im Interview mit den Tagesthemen, dass die USA nicht mehr in der Rolle als Weltpolizist agieren wollen wie noch in den vergangenen Jahrzehnten. "Wir in Europa müssen uns mehr um unsere eigenen Angelegenheiten kümmern." Auch Bundeskanzlerin Merkel betonte beim Thema Sicherheit und Verteidigung: "Wir Deutschen und wir Europäer wissen, dass wir in dieser Partnerschaft im 21. Jahrhundert mehr eigene Verantwortung übernehmen müssen. Amerika bleibt unser wichtigster Partner. Aber es erwartet von uns  - und das zu Recht - stärkere Anstrengungen, um für unsere Sicherheit zu sorgen und für unsere Überzeugungen in der Welt einzutreten" (Quelle: tagesschau.de). Die USA, Republikaner wie Demokraten, fordern seit Jahren, dass Deutschland als NATO-Partner seine Ausgaben für Verteidigung erhöht, wie dies 2014 vereinbart worden war. Ziel aller NATO-Partner ist es, zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung auszugeben. 2019 erreichte die Bundesrepublik einen Anteil von 1,57 Prozent.

Dennoch wird allgemein erwartet, dass sich der Stil und der Umgang miteinander im deutsch-amerikanischen Verhältnis wesentlich verbessern wird und man sich nicht mehr als Gegner, sondern wieder als Partner und Verbündete begreift, die die internationalen Herausforderungen gemeinsam angehen. So bekennt sich Biden im Gegensatz zu Trump zu den Vereinten Nationen, will das Verteidigungsbündnis NATO stärken und er hat bereits angekündigt, dem Pariser Klimaabkommen und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wieder beizutreten (Quelle: Stuttgarter Nachrichten).

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verspricht sich von Joe Biden als neuem amerikanischen Präsidenten sogar große Chancen "für die Zukunft der Demokratie, das Ziel einer gerechteren Welt und ein starkes Europa", wie er in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erläutert.

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Was hat Biden in seiner Siegesrede angekündigt?

7. November 2020

YouTube-Video (15 Minuten): zdf heute

Nach seinem Wahlsieg hat sich Joe Biden am Samstag, 7.11.2020, in seiner Heimatstadt Wilmington, Delaware, an die Öffentlichkeit gewandt und den Sieg erklärt. In seiner Rede schlug Biden versöhnliche Töne an. Es sei ein Sieg der Menschen – mit den meisten Stimmen, die je ein Präsident der Vereinigten Staaten bekommen habe. Er werde als ein amerikanischer Präsident regieren, es sei an der Zeit, das Land zu "heilen", die "Ära der Verteufelung" müsse enden. "Wir müssen aufhören, unsere Gegner wie Feinde zu behandeln. Sie sind keine Feinde. Sie sind Amerikaner." "Ich verspreche, ein Präsident zu sein, der danach strebt, nicht zu spalten, sondern zu einen", sagte er. Auch die künftige Vizepräsidentin Kamala Harris betonte in ihrer Rede, sie wolle zusammen mit Joe Biden eine Regierung für alle Amerikaner*innen sein. "Ich mag zwar die erste Frau in diesem Amt sein, aber ich werde nicht die letzte sein. Denn jedes kleine Mädchen, das heute Abend zuschaut, sieht, dass wir in einem Land voller Möglichkeiten leben", sagte Harris.

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Wie haben die Kandidaten in der Wahlnacht auf das offene Ergebnis reagiert?

4. November 2020

YouTube-Video (9 Minuten): CBS News

Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl steht noch aus, die Auszählung der Stimmen läuft. Dennoch hat sich Donald Trump noch in der Wahlnacht auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus zum Sieger erklärt: "Ehrlich gesagt, wir haben diese Wahl gewonnen", sagte er. Er betonte insgesondere seinen Wahlsieg in einigen umkämpften Bundesstaaten wie Florida, Ohio oder Texas. Allerdings reklamierte er auch Bundesstaaten wie Georgia, North Carolina oder Pennsylvannia für sich, obwohl die Stimmen in diesen Staaten noch nicht abschließend ausgezählt sind. In seiner Rede kündigte Trump außerdem an, vor den Obersten Gerichtshof zu ziehen, um die Auszählung der restlichen Stimmen zu stoppen. Die Verzögerungen bei der Auszählung seien "Betrug am amerikanischen Volk" und müssten beendet werden.

Joe Biden war noch vor Donald Trump in der Nacht in Delaware vor die Kameras getreten und dankte allen für ihre Geduld in dieser Wahlnacht. Er zeigte sich ebenfalls siegessicher und sagte: "Es ist nicht vorbei, bis nicht jede Stimme ausgezählt ist." Weiter erklärte er: "Es ist nicht an mir oder an Donald Trump zu erklären, wer die Wahl gewonnen hat. Das ist Aufgabe des amerikanischen Volks." Auf die späteren Äüßerungen Trumps reagierte das Team um Herausforderer Joe Biden empört und nannte die Aussagen Trumps "skandalös" (Quellen: New York Times, tagesschau.de).

YouTube-Video (5 Minuten): joebiden.com

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Letzte Aktualisierung: 25. November 2020, Internetredaktion der LpB BW