Fernsehdebatten (Presidential Debates) zur US-Wahl 2020

Die Präsidentschaftsdebatten sind Mega-Ereignisse des US-Wahlkampfes. Für schwankende Wähler*innen können sie wahlentscheidend sein. Nach Absage des zweiten TV-Duells trafen Trump und Biden noch einmal am 22.10.2020 aufeinander.

Die zweite und finale Debatte zwischen Trump und Biden

22. Oktober 2020

YouTube Video (1:42 Stunden) tagesschau.de

Wie verlief die zweite und finale Debatte?

Gesittet, sachlich, ab und an sogar ein echter Schlagabtausch, doch inhaltlich wenig Neues - so fassen Medien und Kommentator*innen das zweite und finale TV-Duell zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden zusammen. Nachdem das eigentlich zweite TV-Duell Mitte Oktober wegen der Corona-Erkrankung Trumps abgesagt wurde - virtuell wollte der Präsident nicht debattieren -, fand nun am 22. Oktober 2020 das finale TV-Duell an der Belmont University in Nashville/Tennessee statt. Moderatorin war Kristen Welker von NBC News.

Im Gegensatz zum Rüpel-Auftritt Ende September verhielt sich Donald Trump bei diesem Auftritt wesentlich zivilisierter, ließ seinen Kontrahenten Biden ausreden und die Moderatorin Welker ihren Job machen. Die NBC-Korrespondentin im Weißen Haus hatte sechs Themengebiete festgelegt: Corona-Pandemie, innere Sicherheit, Sozialpolitik inklusive Gesundheitswesen, Klimaschutz, Rassismus und Führungsqualitäten.

Begonnen wurde mit der Corona-Krise und wie bereits zuvor lobte Trump seinen Umgang mit der Pandemie. Er erklärte, dass man lerne, mit dem Virus zu leben. Biden dagegen kritisierte das Verhalten der US-Regierung und des Präsidenten erneut scharf: "Niemand, der für so viele Todesfälle verantwortlich ist, darf Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika bleiben." Beim Thema Rassismus behauptete Trump, dass er nach Abraham Lincoln derjenige Präsident sei, der am meisten für die afroamerikanische Bevölkerung getan habe. Und er drängte Biden in die Ecke, als er ihn fragte, warum es ihm in acht Jahren unter Barack Obama nicht gelungen sei, eine liberale Strafrechtsreform durchzusetzen.

Am Schluss stand der Klimaschutz auf der Agenda. Biden erklärte, er würde ein klimaneutrales Amerika schaffen, mit vielen neuen Jobs in der Wind- und Sonnenenergiebranche. Trump konterte: Biden wolle die Ölindustrie und damit Hunderttausende von Arbeitsplätzen abschaffen. Das werden viele Wähler*innen in betroffenen Bundesstaaten wie Texas, Pennsylvania, Oklahoma oder Ohio nicht gern hören. Drei dieser Bundesstaaten - Texas, Pennsylvania und Ohio - gehören zu den wahlentscheidenden Swing States.

Auf die Frage, was Biden im Falle eines Wahlsiegs bei seiner Antrittsrede sagen würde, erklärte der Demokrat: "Was hier zur Wahl steht, ist der Charakter des Landes: Anstand, Ehre, Respekt, Menschen mit Würde zu behandeln und sicherzustellen, dass jeder gleiche Chancen hat. Ich werde dafür sorgen, dass sie das bekommen. In den vergangenen vier Jahren haben sie das nicht bekommen." Trump entgegnete, bei einem Wahlsieg Bidens würde es zu einer nie da gewesenen wirtschaftlichen Depression kommen. Er dagegen würde Amerika in einer zweiten Amtszeit so erfolgreich wie vor der Corona-Krise machen.

Wer hat die zweite Debatte gewonnen?

Laut CNN-Umfrage hat Joe Biden das zweite TV-Duell gewonnen. 53 Prozent gaben an, dass der Herausforderer einen besseren Job gemacht habe als Donald Trump. 39 Prozent sahen dagegen Trump vorn. Befragt nach ihrem Eindruck, wer die Fragen von Moderatorin Kristen Welker direkt beantwortet habe, nannten 62 Prozent Biden und 31 Prozent Trump. Einen Gleichstand von 49 zu 49 Prozent ergab die Frage, wer in der Debatte die stärkere politische Führungskraft gezeigt habe.

Wahlentscheidend wird das TV-Duell jedoch nicht gewesen sein: 64 Prozent gaben an, dass das TV-Duell keinen Effekt auf ihre Wahlentscheidung habe.

Infografik: Biden siegt in beiden TV-Duellen | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

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Die erste Debatte zwischen Donald Trump und Joe Biden

29. September 2020

YouTube Video (1:33 Stunden) CNBC Television

Wie verlief die erste Debatte?

Chaotisch, unprofessionell, unangemessen - so beschrieben Medien und Kommentatoren das erste TV-Duell zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Joe Biden, das am 29. September 2020 an der Case Western Reserve University and Cleveland Clinic in Cleveland/Ohio stattfand. Beide Kandidaten attackierten sich heftig. Trump fiel Biden immer wieder ins Wort und griff ihn auch persönlich an. Moderator Chris Wallace hatte ebenfalls Mühe, die Debatte unter Kontrolle zu halten. Er hätte es sich "nie träumen lassen, dass es so aus dem Ruder laufen würde", verriet er im Interview mit der New York Times (Spiegel Online, 1.10.2020). Über weite Teile des Abends war eine richtige Diskussion nicht möglich.

Inhaltlich thematisierten die Kandidaten den Supreme Court und die umstrittene Kandidatur der konservativen Richterin Amy Coney Barret für das Oberste Gericht durch Trump. Auch der Umgang mit der Coronakrise und die aktuell schlechte wirtschaftliche Lage im Land waren Gegenstand der Diskussion. Zudem kamen die anhaltenden Proteste rund um die "Black-Lives-Matter"-Bewegung zur Sprache. Empörung gab es, als sich Trump weigerte, rechtsextreme Gruppen wie die "Proud Boys" zu verurteilen. Selbstbewusst trat Biden beim Thema Klimaschutz auf und legte einen Plan zur Schaffung einer grünen Infrastruktur vor, die mittelfristig neue Arbeitsplätze schaffen solle. Trump leugnete den Klimawandel erneut und machte schlechte Forstwirtschaft für die verheerenden Waldbrände im Westen des Landes verantwortlich. Außerdem stellte Trump erneut die Integrität der Wahlen und die Briefwahlen in Frage und er lehnte eine Zusage ab, die Wahl unabhängig vom Ausgang anzuerkennen.

Die Veranstalter der TV-Debatten, die Commission on Presidential Debates, möchte für die weiteren TV-Duelle strengere Regularien festlegen, was Trump jedoch bislang ablehnt.

Wer hat die erste Fernsehdebatte gewonnen?

Kommentatoren sprachen im Nachgang von einem der chaotischsten und schlimmsten TV-Duelle in der Geschichte der US-Präsidentschaftswahlen. Eine Blitzumfrage der CBS News gemeinsam mit YouGov macht klar, dass die Debatte für beide Kandidaten eher schädlich als nützlich war.

Der Herausforderer Joe Biden schnitt mit 48 Prozent etwas besser ab als der amtierende US-Präsident Donald Trump (41 Prozent). Den Tonfall empfand die überwiegende Mehrheit (83 Prozent) als negativ. In der Umfrage sollten die Befragten auch angeben, welche Gefühle die Debatte bei ihnen ausgelöst habe. Die Mehrheit (69 Prozent) waren nach Ende des Duells "verärgert", nur 17 Prozent fühlten sich "informiert".

Infografik: Trump vs. Biden - das Ergebnis des ersten TV-Duells | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

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Debatte zwischen Mike Pence und Kamala Harris

7. Oktober 2020

YouTube Video (1:34 Stunden) tagesschau.de

Wie verlief die Debatte zwischen Pence und Harris?

Mike Pence, Vizepräsident von US-Präsident Donald Trump (Republikaner), und Kamala Harris, "Running Mate" des Herausforderers Joe Biden (Demokraten), lieferten sich bei ihrem TV-Duell am 7. Oktober 2020 in Salt Lake City einen harten Schlagabtausch. Doch insgesamt ging es wesentlich höflicher und gesitteter zu als beim ersten TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden. Moderatorin war Susan Page von USA Today.

Beherrschendes Thema dieses Abends war die Corona-Krise. Kamala Harris kritisierte den Umgang der Regierung mit der Pandemie scharf: "Das ist das größte Scheitern einer US-Regierung in der Geschichte unseres Landes." Weitere Schwerpunkte der Diskussion - wie auch schon in der Debatte zwischen Trump und Biden vor gut einer Woche - waren Wirtschaftsthemen, die Steuerpolitik, die Außen- und Handelspolitik, der Klimaschutz und die Rassismus-Debatte im Land. So behauptete Pence, dass Biden im Falle eines Wahlsiegs massiv Steuern erhöhen wolle. Dem entgegnete Harris, dass lediglich Steuersenkungen für große Konzerne und Reiche mit einem Jahreseinkommen über 400.000 US-Dollar zurückgenommen werden sollten. Beim Thema Außenpolitik bezeichnete Pence den US-Präsidenten als "hartnäckigen Führer", während Harris Trump vorwarf, "unsere Freunde verraten und Diktatoren auf der ganzen Welt umarmt" zu haben. Vor der Klimapolitik der Demokraten, dem "Green New Deal", warnte der Vizepräsident ausdrücklich: "Amerika droht dann eine Depression".

Das Duell zwischen Mike Pence und Kamala Harris war auch wegen des hohen Alters der beiden Präsidentschaftskandidaten (Trump ist 74, Biden 77 Jahre alt) mit Spannung erwartet worden. Denn Pence oder Harris würden die Amtsgeschäfte des künftigen Präsidenten im Falle einer schweren Erkrankung übernehmen. Außerdem werden beide als mögliche Präsidentschaftskandidat*innen bei der nächsten Wahl 2024 gehandelt.

Weitere Infos zum Werdegang und den politischen Positionen der beiden US-Vizepräsidentschaftskandidat*innen bietet unsere Zusammenstellung.

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Warum sind die Fernsehdebatten in den USA so wichtig?

Die Präsidentschaftsdebatten im Fernsehen sind die Mega-Ereignisse des US-Wahlkampfes. Ob Nixon, Kennedy oder Bush - sie alle mussten sich ihren Kontrahenten und einem Millionenpublikum stellen. Bei manchen Wahlen galten die Fernsehdebatten als wahlentscheidend. Der Sieger einer Debatte steht jedoch nicht unmittelbar am Abend der Diskussion fest. Entscheidend ist die mediale Nachbereitung und Aufbereitung der Diskussion - welche Kernaussagen werden in den Zeitungskommentaren und TV-Nachrichten und Analysen in den Mittelpunkt gerückt. Erst dann weiß man, wer in der Diskussion gepunktet hat und Vorteile für seine Kampagne erzielen konnte.

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Wann finden die Debatten statt?

Festgelegt wurden drei Debatten der Präsidentschaftskandidaten und eine der Kandidat*innen für die Vizepräsidentschaft. Die Debatten wurden auf jeweils 90 Minuten festgesetzt, es gibt jeweils einen Moderator. Veranstaltet werden die Fernsehdebatten von der Kommission für Präsidentschafts-Debatten. Die zweite Debatte vom 15. Oktober 2020 wurde aufgrund der Corona-Erkrankung des US-Präsidenten abgesagt.

Termine

29. September 2020:First presidential debate, Case Western Reserve University and Cleveland Clinic, Cleveland/Ohio
7. Oktober 2020:   Vice presidential debate, University of Utah, Salt Lake City/Utah
15. Oktober 2020:Second presidential debate, Adrienne Arsht Center für Performance-Kunst, Miami/Florida (abgesagt)
22. Oktober 2020:Third presidential debate, Belmont University, Nashville/Tennessee

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Wer darf an der Debatte teilnehmen?

Die Kommission für Präsidentschafts-Debatten (CPD), eine Non-Profit-Organisation, organisierte seit 1988 alle Debatten. Die CPD entwickelt für die Kandidat*innen Auswahlkriterien, wer überhaupt an den Debatten teilnehmen kann. Sie schlägt auch die Termine, Orte und Formate für die Debatten vor. Die Kriterien für die Teilnahme an den Debatten sind sehr hoch, was von Bürgerrechtsorganisationen und den anderen Präsidentschaftsbewerbern auch kritisiert wird. So muss ein Bewerber z.B. mindestens 15 Prozent der Stimmen in fünf ausgewählten Wahllokalen erreichen. Dies hat zur Folge, dass nur die Präsidentschafts - und Vizepräsidentschaftskandidaten der Republikaner und der Demokraten sich der Debatte stellen. Unabhängige Kandidaten haben keine Chance.

Commission on Presidential Debates (CPD)

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Letzte Aktualisierung: Oktober 2020, Internetredaktion der LpB BW