Coronavirus in den USA

Die Corona Pandemie hat in den USA weltweit die größten Auswirkungen. Innerhalb von drei Monaten haben die Vereinigten Staaten die Zahl der COVID-19 Infizierten in China überholt. Mitte Juni zählt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den USA über 2,1 Millionen Infizierte und über 117.000 Tote (Quelle: WHO). US-Präsident Donald Trump hat wegen der Ausbreitung des Coronavirus in den USA den nationalen Notstand ausgerufen. 

Aktuelle Situation

Das Epizentrum der Infektion ist New York. Mehr als ein Drittel der in den USA Infizierten leben in dem Bundesstaat (Quelle: DIE ZEIT, Stand: 8. April). Mit seinen drei Flughäfen und der Wall Street gilt die Bundeshauptstadt New York als wirtschaftlicher Knotenpunkt. Gleichzeitig ist sie für Touristen eine beliebte Sehenswürdigkeit. Millionen von Menschen fanden täglich ihren Weg in die Metropole – das gab dem Virus den optimalen Nährboden, um sich wochenlang unbemerkt zu verbreiten. Die Zahl der Toten ist so hoch, dass der New Yorker Stadtteil Hart Island, bereits Massengräber für die Opfer des Virus ausgehoben hat, wie Drohnebilder zeigen (Quelle: Focus / Quelle: ZDF). Auch New Orleans ist ein weiteres amerikanisches Epizentrum der Corona-Pandemie. Hier breitet sich das Virus schneller aus als an jedem anderen Ort der Welt.

Wie in zahlreichen anderen Ländern mangelt es auch in den USA an Schutzkleidung wie Kitteln, Handschuhen, Atemmasken und Brillen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Gesundheitssystem schon vor der Krise an seine Grenzen stieß. Auf 1000 Einwohner kommen nur 2,7 Krankenhausbetten. Zum Vergleich: in Deutschland sind es 8 Betten auf 1000 Einwohner (Quelle: DER SPIEGEL). 

Zudem hatten knapp 2,7 Millionen Menschen bereits vor der Krise keine Krankenversicherung. Laut einer Studie der Harvard Universität aus dem Jahr 2009 sterben rund 45.000 Menschen aufgrund von fehlendem Zugang zum Gesundheitssystem. Gerade jetzt, bei steigender Arbeitslosigkeit, verlieren zusätzlich immer mehr Amerikanerinnen und Amerikaner mit ihrem Job auch ihre Krankenversicherung (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Viele trauen sich nicht, in die Arztpraxis zu gehen, aus Angst vor anfallenden Kosten. Die US Regierung hat zwar zugesichert, dass sich jede Bürgerin und jeder Bürger unabhängig von ihrer Versicherungssituation kostenlos auf Corona testen lassen kann und auch ein Arztbesuch wegen einer Infektion bezahlt wird. Einen Krankenhausaufenthalt aufgrund von einer COVID-19 Infektion zahlt der Staat jedoch nicht . Hinzu kommt, dass die soziale Ungleichheit in den USA weit größer ist, als in anderen Industrieländern. Rund eine halbe Million Obdachlose leben auf der Straße oder in engen Unterkünften. Die Virus Infektion kann sich dort rasant ausbreiten (Quelle: DER SPIEGEL).

United States COVID-19 Statistics

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Wirtschaftliche Folgen

Die wirtschaftlichen Folgen sind bisher kaum zu überblicken. Präsident Donald Trump hat lange Zeit versucht, die Wirtschaft am Leben zu erhalten und erst spät mit einer Ausgangssperre eingegriffen - ein weiterer Grund, warum sich das Virus so folgenschwer in den USA ausbreiten konnte. 

Seit die Regierung die Menschen dazu aufgefordert hat, ihre Häuser nicht zu verlassen, steigt die Arbeitslosenquote kontinuierlich. Der Traum von dem Land, in dem angeblich jede*r vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann, droht zu platzen. Die Coronavirus-Pandemie sorgt in den USA für den massivsten Jobabbau seit der Zeit der Großen Depression in den 1930er Jahren. Insgesamt 2,4 Millionen Menschen haben nach Angaben des US-Arbeitsministerium in den letzten zwei Wochen einen Antrag auf Arbeitslosenversicherung gestellt. Die Gesamtzahl der Neuanträge ist damit seit Mitte März auf über 38,6 Millionen angestiegen. Zum Vergleich: In wirtschaftlich stabilen Zeiten sind weniger als eine halbe Million Menschen auf die Versicherung angewiesen. Die New York Times geht in einer Hochrechnung davon aus, dass die Dunkelziffer an Arbeitslosen deutlich höher ist. Da der Versicherungsantrag an bürokratische Voraussetzungen gebunden ist und Millionen arbeitslose Immigranten keine Leistungen beantragen können, haben vermutlich viele Arbeitslosen keinen Antrag gestellt. Die Arbeitslosenquote ist mit 20 Prozent mittlerweile so hoch wie seit der Wirtschaftskrise im Jahr 1930 nicht mehr – und sie wächst deutlich schneller als damals (Stand 27.Mai). 

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Krisenmanagement

Verhalten der Regierung

Die amerikanische Regierung hat das Ausmaß der Pandemie lange Zeit nicht ernst genommen. Bis Mitte März spielte der Präsident Donald Trump die Krise herunter und äußerte, dass die Wirtschaft nach Ostern wieder hochgefahren werden könne (Quelle: DIE ZEIT). Trump fürchtete vor allem die wirtschaftlichen Folgen, die seiner Meinung nach deutlich verheerender sein würden als die Folgen des Virus. Trumps Rhetorik geriet stark in Kritik, als er das COVID-19 Virus als „Chinese Virus“ bezeichnete (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Neben Trump machten sich auch andere hochrangige Politiker über die Pandemie lustig. Unter anderem der Vertreter des Bundestaats Florida, Matt Gaetz, der aus Spaß mit einer Gasmaske im Kongress erschien (Quelle: DER SPIEGEL). 

Die Hilfe der Weltgesundheitsorganisation WHO lehnte Trump ab. Die USA könne selbst einen Test entwickeln, um Corona-Infizierte zu bestimmen. Doch das konnten sie nicht: Die Tests waren fehlerhaft, bis Ende März standen nicht genügend Testkits zur Verfügung, ein umfassendes Testprogramm gibt es immer noch nicht (Quelle: Tagesschau). Die Dunkelziffer an Infizierten ist deswegen vermutlich deutlich höher als die offiziellen Zahlen belegen (Quelle: DER SPIEGEL). Trump schiebt die Schuld daran der WHO zu. Die Organisation habe nicht schnell genug gehandelt um die Pandemie einzudämmen und entscheidende Fehler gemacht. Trump verkündete am 15. April, die Beitragszahlungen der USA an die WHO vorerst auf Eis zu legen (Quelle: New York Times).

Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Das Ziel der WHO ist es, „allen Völkern zur Erreichung des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu verhelfen“ (vgl. Art. 1 WHO-Verfassung). Der Haushalt der WHO liegt bei 6 Billionen Dollar für zwei Jahre. Finanziert wird der Betrag durch die insgesamt 194 Mitgliedstaaten. Die Höhe der Beiträge der Mitgliedstaaten orientiert sich am Wohlstand des Staates. Die USA hat im Jahr 2019 553 Millionen Dollar bezuschusst (Quelle: New York Times). Damit ist die USA der größte Beitragszahler (Quelle: Tagesschau).

Am 16. März - zwei Wochen, nachdem der erste Fall bekannt wurde - schloss New York erste Schulen und Restaurants. Andere Bundesstaaten folgten dem Beispiel, Universitäten stiegen auf Digitalangebote um, Sportwettkämpfe wurden abgesagt. Zwei Tage später rief Trump dazu auf, Menschenansammlungen von über 10 Personen zu vermeiden und sich nur auf die notwendigsten Reisen zu beschränken (Quelle: USA Today). Einige Bundesstaaten verschärften ihre Regeln zur Ausgangssperre, eine landesweite Regelung gibt es bisher nicht (Quelle: Rheinische Post, Stand 9. April). Mittlerweile gelten für rund 90 Prozent der Menschen in den USA eine Form von Ausgangsbeschränkungen.  Obwohl Trump mittlerweile das Ausmaß der Pandemie ernst nimmt, äußern viele Kritiker, dass er weiterhin Falschinformationen verbreite und unprofessionell mit der Krise umginge. So pries er beispielsweise Malaria-Medikamente als Medizin gegen Corona an, obwohl der wissenschaftliche Beleg für deren Wirksamkeit bisher nicht erbracht ist. Das Mittel wird mittlerweile ins ganze Land ausgeliefert (Quelle: FAZ). Zudem zeigen Untersuchungen der New York Times, dass Trump schon frühzeitig von den möglichen Ausmaßen der Krise informiert wurde und das Ausmaß der Pandemie hätte einschränken können (Quelle: New York Times).

Wirtschaftliche Hilfe

Die Regierung verabschiedete am 25. März ein Hilfspaket über zwei Billionen Dollar, um Wirtschaft und Gesellschaft zu stärken. Es ist das größte Rettungspaket der US Geschichte, sogar größer als das der Finanzkrise im Jahr 2008, das 800 Milliarden Dollar betrug. Experten gehen davon aus, dass das trotzdem nicht reichen wird.

Mit dem Hilfspaket möchte die Regierung Unternehmen Finanzhilfen geben, Konzernen Kredite ermöglichen, die Arbeitslosenversicherungen erhöhen und in den Gesundheitssektor investieren (Quelle: DIE ZEIT). Zusätzlich soll jeder Steuerzahler mit einem Jahreseinkommen bis 75.000 Dollar einen Scheck über 1.200 Dollar vom Finanzamt erhalten, für jedes Kind gibt es weitere 500 Dollar. Von der Unterstützung ausgenommen sind Trumps eigene Unternehmen und seine Familie, sowie Mitglieder des Kongresses. Ein Ombudsmann überwacht die Verteilung der Gelder  (Quelle: Süddeutsche Zeitung).

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Auswirkungen auf den Wahlkampf

Auch der anstehende Wahlkampf leidet unter der Krise. Viele Wahlkampfveranstaltungen mussten abgesagt werden, die Bundesstaaten mit noch ausstehenden Vorwahlen verschoben diese größtenteils in den Mai (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Auch der Wahlparteitag, an dem die Demokraten ihre Kandidaten offiziell küren sollen, verschiebt sich auf den 17. August und damit um einen Monat.

Der Wahlkampf in der Ausnahmesituation stellt Donald Trump und seinen Gegner Joe Biden vor neue Herausforderungen. Über Videos, Podcasts und Webauftritten versuchen die beiden Kandidaten die Wählerinnen und Wähler für sich zu gewinnen. Trump liegt da im Vorteil. Während Biden lediglich von Zuhause aus Wahlkampf machen kann und mit seinen Beiträgen nur knapp 3000 Zuschauer erreicht, steht Trump in der Krise im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Die Pandemie nimmt Biden seine Stärke, in persönlichen Begegnungen und auf Veranstaltungen zu überzeugen. Zudem tritt der Demokrat in Interviews zunehmend unorganisiert und fahrig auf und macht Vorschläge zum Krisenmanagement, die unrealistisch oder veraltet sind (Quelle: DIE ZEIT). 

Trotzdem sprechen die Umfragewerte für Joe Biden. Seit Jahresbeginn liegt Biden in fast allen Umfragen konstant mit zwei bis neun Prozentpunkten vor Trump, die Umfragen des Präsidenten sind damit so schlecht, wie von keinem anderen Präsidenten zuvor. Laut der Statistikplattform Fivethirtyeight sind nur 44 Prozent der potenziellen Wählerinnen und Wähler mit Trump zufrieden.

Im März stiegen Trumps Umfragewerte um wenige Prozentpunkte leicht an, viele Amerikaner bewerten sein Krisenmanagement als erfolgreich Quelle. Er nutzt die Chance aus, die ihm die Krise gibt und versucht im Bewusstsein der Wählerinnen und Wähler zu bleiben, in dem er die Pressekonferenzen über die Krise zu seinem persönlichen Wahlkampf ausweitet. Politikwissenschaftler bezeichnen es als „Rally ’round the flag“ – sich um die Fahne versammeln – wenn Staatsoberhaupte in Krisenzeiten mehr Zustimmung erhalten. Im Vergleich zu anderen Krisensituationen in den USA schneidet Trump bei der Coronapandemie trotzdem vergleichsweise schlecht ab. Georg W. Bush gewann nach dem Anschlag am 11. September 2002 35 Prozentpunkte mehr Zustimmung der Amerikanerinnen und Amerikanern (Quelle: Handelsblatt).

Im Zuge der Krise ist bei vielen Amerikanerinnen und Amerikanern ein neuer Demokrat ins Bewusstsein gekommen: der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo. Im Gegensatz zu Trump führt er seinen Bundesstaat mit klaren Regeln durch die aktuelle Situation und nimmt die Pandemie scheinbar ernster als sein Präsident. Theoretisch könnte Cuomo noch gegen Trump antreten – wenn Biden zurücktritt und die Delegierten, die ihn gewählt haben, dazu aufruft, Cuomo zu wählen. Dieses Szenario ist bisher jedoch unrealistisch. Sicher ist, dass die Wahlen am 3. November 2020 stattfinden. Das Wahldatum, der erste Dienstag nach dem ersten Montag im November, ist seit 1845 im Gesetz festgeschrieben (Quelle: DIE ZEIT).

Letzte Aktualisierung Mai 2020.

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