Coronavirus in den USA

Die Corona-Pandemie hat in den USA weltweit die größten Auswirkungen. Die USA verzeichnen mit 9 Millionen COVID-19 Infizierten und knapp 230.000 Toten (Stand: Anfang November) die weltweit mit Abstand höchsten Infektionszahlen (Quelle: WHO). US-Präsident Donald Trump hat wegen der Ausbreitung des Coronavirus in den USA den nationalen Notstand ausgerufen. 

Aktuelle Situation

New York war im April zu einem Zentrum der Pandemie geworden: Rund fünf Prozent aller weltweiten Fälle wurden aus der Millionenstadt gemeldet. Mehr als ein Drittel der in den USA Infizierten lebten im Frühjahr in dem Bundesstaat (Quelle: DIE ZEIT, Stand: 8. April). Mit seinen drei Flughäfen und der Wall Street gilt die Bundeshauptstadt New York als wirtschaftlicher Knotenpunkt. Gleichzeitig ist die Stadt ein Touristenmagnet. Millionen von Menschen finden täglich ihren Weg in die Metropole – das gab dem Virus den optimalen Nährboden, um sich wochenlang unbemerkt zu verbreiten. Die Zahl der Toten war so hoch, dass der New Yorker Stadtteil Hart Island bereits Massengräber für die Opfer des Virus ausgehoben hatte, wie Drohnebilder zeigen (Quelle: Focus / Quelle: ZDF). New York hatte mit einschneidenden Maßnahmen darauf reagiert und die Verbreitung des Virus unter Kontrolle gebracht. Auch New Orleans war ein weiteres amerikanisches Epizentrum der Corona-Pandemie. Hier breitete sich das Virus schneller aus als an jedem anderen Ort der Welt.

Die Anzahl der Neuinfektionen hat in den USA seit Juni wieder deutlich zugenommen. Kritiker führen diesen Anstieg auch auf die Lockerungen im öffentlichen Leben zurück. Am 9. Juli wurde über 63.000 Neuinfektionen gezählt, so viele wie nie zuvor. Mehr als ein Dutzend Bundesstaaten verzeichneten im Juni bisher die höchste Zahl von Neuinfektionen seit Beginn der Pandemie. Die Bundesstaaten Alabama, Arizona, Kalifornien, Florida, Idaho, Mississippi, Missouri, Nevada, Oklahoma, South Carolina und Wyoming meldeten neue Rekordanstiege.

Nach Daten der renommierten US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität kamen in den Vereinigten Staaten am 9. Oktober 2020 57.420 Neuinfektionen mit dem Coronavirus hinzu. Zuletzt registrierten die Forscher am 14. August derart hohe Fallzahlen. Es ist der dritte Tag in Folge, an dem mehr als 50.000 neue positive Tests hinzugekommen sind. In vielen Bundesstaaten werden wieder höhere Fallzahlen gemeldet, vor allem der Bundesstaat Florida bereitet vielen Experten seit Anfang Oktober Sorgen.

Auch New York hat in neun Hochrisikozonen massive Restriktionen verfügt. Alle nicht dringend notwendigen Geschäfte und Schulen müssen schließen, Massenveranstaltungen sind verboten, die Besucherzahl in Gotteshäusern ist erheblich eingeschränkt. (Quelle: Frankfurter Rundschau; CNN)

Wie in zahlreichen anderen Ländern mangelt es auch in den USA an Schutzkleidung wie Kitteln, Handschuhen, Atemmasken und Brillen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Gesundheitssystem schon vor der Krise an seine Grenzen stieß. Auf 1.000 Einwohner*innen kommen nur 2,7 Krankenhausbetten. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 8 Betten auf 1000 Einwohner*innen (Quelle: DER SPIEGEL). 

Zudem hatten knapp 2,7 Millionen Menschen bereits vor der Krise keine Krankenversicherung. Laut einer Studie der Harvard Universität aus dem Jahr 2009 sterben in den USA rund 45.000 Menschen aufgrund von fehlendem Zugang zum Gesundheitssystem. Gerade jetzt, bei steigender Arbeitslosigkeit, verlieren zusätzlich immer mehr Amerikanerinnen und Amerikaner mit ihrem Job auch ihre Krankenversicherung (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Viele trauen sich aus Angst vor den anfallenden Kosten nicht, in eine Arztpraxis zu gehen. Die US-Regierung hat zwar zugesichert, dass sich jede Bürgerin und jeder Bürger unabhängig von ihrer Versicherungssituation kostenlos auf Corona testen lassen kann und auch ein Arztbesuch wegen einer Infektion bezahlt wird. Einen Krankenhausaufenthalt aufgrund von einer COVID-19 Infektion zahlt der Staat jedoch nicht. Hinzu kommt, dass die soziale Ungleichheit in den USA weit größer ist als in anderen modernen Industrieländern. Rund eine halbe Million Obdachlose leben auf der Straße oder in engen Unterkünften. Das Virus kann sich dort folglich rasant ausbreiten (Quelle: DER SPIEGEL).

United States COVID-19 Statistics

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Wirtschaftliche Folgen

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sind bisher kaum zu überblicken. Präsident Donald Trump hat lange Zeit versucht, die Wirtschaft am Laufen zu halten und hat sich im März 2020 vielfach gegen die von einzelnen Bundesstaaten verhängten Ausgangssperren ausgesprochen - ein weiterer Grund, warum sich das Virus so folgenschwer in den USA ausbreiten konnte. 

Aufgrund der teils erheblichen Einschränkungen im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben stieg die Arbeitslosenquote während der letzten Monate kontinuierlich. Der Traum von dem Land, in dem angeblich jede*r vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann, droht schon längst zu platzen. Die Coronavirus-Pandemie sorgt in den USA für den massivsten Jobabbau seit der Zeit der Großen Depression in den 1930er Jahren. Rund 22 Millionen Arbeitsplätze gingen Schätzungen zufolge durch die Corona-Pandemie verloren - von denen laut der US-Behörde für Arbeitsmarktstatistik bislang etwa die Hälfte zurückgewonnen werden konnte.

Noch Anfang September erhielten nach Angaben des Arbeitsministeriums 29 Millionen Menschen eine Form von Arbeitslosenhilfe. Ein Jahr zuvor waren es in der gleichen Woche nur 1,4 Millionen Menschen gewesen. Vor der Zuspitzung der Pandemie im März hatte die Arbeitslosenquote bei niedrigen 3,5 Prozent gelegen.

Den Höchststand erreichte die Arbeitslosenquote in diesem Jahr allerdings im April mit 14,7 Prozent. Es war zugleich der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Seitdem ist die Quote aber in den darauffolgenden Monaten stetig wieder gesunken - im September lag sie bei 7,5 Prozent. (Quelle: Tagesschau.de)

Die New York Times geht in einer Hochrechnung allerdings davon aus, dass die Dunkelziffer an Arbeitslosen deutlich höher ist. Da der Versicherungsantrag an bürokratische Voraussetzungen gebunden ist und Millionen von arbeitslosen Immigranten keine Leistungen beantragen können, haben vermutlich viele Arbeitslose gar keinen Antrag gestellt.

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Krisenmanagement

Verhalten der Regierung

Die amerikanische Regierung hat das Ausmaß der Pandemie lange Zeit nicht ernst genommen. Bis Mitte März spielte Präsident Donald Trump die Krise herunter und äußerte die Meinung, die Wirtschaft könne nach Ostern wieder hochgefahren werden (Quelle: DIE ZEIT). Trump fürchtete vor allem die wirtschaftlichen Folgen, die seiner Meinung nach deutlich verheerender sein würden als die Folgen des Virus. Trumps Rhetorik geriet stark in Kritik, als er das COVID-19 Virus als „Chinese Virus“ bezeichnete (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Neben Trump machten sich auch andere hochrangige Politiker über die Pandemie lustig. Unter anderem der Vertreter des Bundestaats Florida, Matt Gaetz, der aus Spaß mit einer Gasmaske im Kongress erschien (Quelle: DER SPIEGEL). 

Die Hilfe der Weltgesundheitsorganisation WHO lehnte Trump ab. Die USA könne selbst einen Test entwickeln, um Corona-Infizierte zu bestimmen. Doch das konnten sie nicht: Die Tests waren fehlerhaft, bis Ende März standen nicht genügend Testkits zur Verfügung, ein umfassendes Testprogramm gibt es immer noch nicht (Quelle: Tagesschau). Die Dunkelziffer an Infizierten ist deswegen vermutlich deutlich höher als die offiziellen Zahlen belegen (Quelle: DER SPIEGEL). Trump schiebt die Schuld daran der WHO zu. Die Organisation habe nicht schnell genug gehandelt, um die Pandemie einzudämmen, und sie habe entscheidende Fehler gemacht. Trump verkündete am 15. April, die Beitragszahlungen der USA an die WHO vorerst auf Eis zu legen (Quelle: New York Times).

Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Das Ziel der WHO ist es, „allen Völkern zur Erreichung des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu verhelfen“ (vgl. Art. 1 WHO-Verfassung). Der Haushalt der WHO liegt bei 6 Billionen Dollar für zwei Jahre. Finanziert wird der Betrag durch die insgesamt 194 Mitgliedstaaten. Die Höhe der Beiträge der Mitgliedstaaten orientiert sich am Wohlstand des jeweiligen Staates. Die USA haben im Jahr 2019 553 Millionen Dollar bezuschusst (Quelle: New York Times). Damit waren sie der größte Beitragszahler der WHO (Quelle: Tagesschau).

Am 16. März - zwei Wochen, nachdem der erste Corona-Fall in den USA bekannt wurde - schloss New York erste Schulen und Restaurants. Andere Bundesstaaten folgten dem Beispiel, Universitäten stiegen auf Digitalangebote um, Sportwettkämpfe wurden abgesagt. Zwei Tage später rief Trump dazu auf, Menschenansammlungen von über zehn Personen zu vermeiden und sich nur auf die notwendigsten Reisen zu beschränken (Quelle: USA Today). Einige Bundesstaaten verschärften ihre Regeln zur Ausgangssperre, eine landesweite Regelung gibt es bisher nicht (Quelle: Rheinische Post, Stand 9. April). Zeitweise galt für rund 90 Prozent der Menschen in den USA eine Form von Ausgangsbeschränkung.

Obwohl Trump mittlerweile das Ausmaß der Pandemie ernster nimmt, äußern viele Kritiker, er verbreite weiterhin Falschinformationen und gehe unprofessionell mit der Krise um. So pries er im Frühjahr beispielsweise Malaria-Medikamente als Medizin gegen Corona an. Das Mittel wurde sogar landesweit ausgeliefert (Quelle: FAZ). Mittlerweile stoppte die WHO jedoch die Forschungen dazu wieder, da sich die anfänglichen Hoffnungen der Wissenschaftler*innen in weitergehenden Tests nicht erfüllten (Quelle: Frankfurter Rundschau; HNA). Zudem zeigen Untersuchungen der New York Times, dass Trump schon frühzeitig von den möglichen Ausmaßen der Krise informiert wurde und das Ausmaß der Pandemie hätte einschränken können (Quelle: New York Times).

 

Wirtschaftliche Hilfe

Die Regierung verabschiedete am 25. März ein Hilfspaket über zwei Billionen Dollar, um Wirtschaft und Gesellschaft zu stärken. Es ist das größte Rettungspaket in der Geschichte der USA, sogar größer als das der Finanzkrise im Jahr 2008, das 800 Milliarden Dollar betrug. Experten gehen davon aus, dass es trotzdem nicht reichen wird.

Mit dem Hilfspaket möchte die Regierung Unternehmen Finanzhilfen geben, Konzernen Kredite ermöglichen, die Arbeitslosenversicherungen erhöhen und in den Gesundheitssektor investieren (Quelle: DIE ZEIT). Zusätzlich soll jeder Steuerzahler mit einem Jahreseinkommen bis 75.000 Dollar einen Scheck über 1.200 Dollar vom Finanzamt erhalten, für jedes Kind gibt es weitere 500 Dollar. Von der Unterstützung ausgenommen sind Trumps eigene Unternehmen und seine Familie sowie Mitglieder des Kongresses. Ein Ombudsmann überwacht die Verteilung der Gelder  (Quelle: Süddeutsche Zeitung).

Anfang Oktober stoppte Trump die Verhandlungen mit den US-Demokraten über ein zweites Hilfspaket. Dieses solle es erst nach der Wahl am 3. November geben (Quelle: tagesschau.de).

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Auswirkungen auf den Wahlkampf

Auch der anstehende Wahlkampf litt und leidet unter der Krise. Viele Wahlkampfveranstaltungen mussten im Frühjahr abgesagt werden, die Bundesstaaten mit noch ausstehenden Vorwahlen verschoben diese größtenteils in den Mai (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Auch der Wahlparteitag, an dem die Demokraten ihre Kandidaten offiziell küren sollten, verschob sich auf den 17. August und wurde ausschließlich virtuell abgehalten.

Der Wahlkampf in dieser Ausnahmesituation stellt Donald Trump und seinen Gegner Joe Biden vor neue Herausforderungen. Über Videos, Podcasts und Webauftritte versuchen die beiden Kandidaten die Wählerinnen und Wähler für sich zu gewinnen. Trump liegt dabei im Vorteil. Während Biden lediglich von zuhause aus Wahlkampf machen kann und weitaus weniger Zuschauer*innen und Follower mit seinen Beiträgen erreicht, steht Trump in der Krise im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Die Pandemie nimmt Biden seine Stärke, in persönlichen Begegnungen und auf Veranstaltungen zu überzeugen.

Auch wenn das erste Fernsehduell am 29. September insgesamt von den Zuschauer*innen eher negativ bewertet wurde, schnitt Joe Biden mit 48 Prozent etwas besser ab als sein Kontrahent Donald Trump (Quelle: CBS News). Das für den 15. Oktober geplante zweite TV-Duell wurde abgesagt. Diese Entscheidung verkündete die für die Organisation der Präsidentschaftsdebatten zuständige Kommission nach einem Streit um mögliche Formatänderungen wegen der Corona-Infektion von Trump. Das dritte Duell soll wie geplant am 22. Oktober stattfinden. Mehr zum Thema Fernsehdebatten zur US-Wahl 2020 finden Sie hier.

Bisher sprechen die Umfragewerte dennoch für Joe Biden. Seit Jahresbeginn liegt er in fast allen Umfragen konstant mit zwei bis neun Prozentpunkten vor Trump. Die Umfragen des Präsidenten sind damit so schlecht wie von keinem anderen Präsidenten zuvor. Laut der Statistikplattform Fivethirtyeight sind nur 44 Prozent der potenziellen Wählerinnen und Wähler mit Trump zufrieden.

Trumps größte Belastung in diesem Wahlkampf ist das Coronavirus und die massiven Folgen für das gesamte Land. Im März stiegen Trumps Umfragewerte zunächst um wenige Prozentpunkte leicht an. Viele Amerikaner*innen bewerteten sein Krisenmanagement zunächst als erfolgreich. Er nutzte diese Chance aus, die ihm die Krise damals gab und versuchte im Bewusstsein der Wählerinnen und Wähler zu bleiben, indem er die Pressekonferenzen über die Krise zu seinem persönlichen Wahlkampf ausweitete.

Politikwissenschaftler*innen bezeichnen es als "Rally round the flag" – sich um die Fahne versammeln –, wenn Staatsoberhäupter in Krisenzeiten mehr Zustimmung erhalten. Im Vergleich zu anderen Krisensituationen in den USA schneidet Trump bei der Coronapandemie trotzdem vergleichsweise schlecht ab. Georg W. Bush gewann nach dem Anschlag am 11. September 2002 35 Prozentpunkte mehr Zustimmung der Amerikanerinnen und Amerikanern (Quelle: Handelsblatt).

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Letzte Aktualisierung: Oktober 2020, Internetredaktion der LpB BW