US-Präsidentschaftswahl 2020: Wahlergebnisse

Joe Biden wird neuer Präsident der Vereinigten Staaten

Joe Biden hat es geschafft: Mit 306 der insgesamt 538 Wahlleute hat der demokratische Präsidentschaftskandidat die Wahl gewonnen. Damit wird er der 46. Präsident der US-Geschichte. Hier finden Sie die aktuellen Wahlergebnisse sowie Zahlen und Fakten zur Wahl vom 3. November 2020. 

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Wie haben die US-Amerikaner*innen gewählt?

Joe Biden konnte mit bislang 81,3 Millionen Stimmen einen neuen Wählerrekord erzielen. Damit kommt er auf 51,3 Prozent aller abgegebenen Stimmen gegenüber 46,8 Prozent der Wähler*innen, die Donald Trump gewählt haben (74,2 Millionen Stimmen). Joe Biden hat 306 Wahlleute hinter sich, Donald Trump 232 Stimmen (Quelle: CNN). Die Wahlbeteiligung lag laut vorläufigen Ergebnissen bei einem Rekordhoch von 66,4 Prozent (Quelle: U.S. Elections Project).

Jo Jorgensen, Präsidentschaftskandidatin der Libertarian Party, kam nach vorläufigen Ergebnissen auf 1,2 Prozent der Stimmen, Howie Hawkins, Präsidentschaftskandidat der Green Party, auf 0,2 Prozent. Insgesamt kamen die Kandidat*innen, die keiner der beiden großen Parteien angehören, auf rund 1,7 Prozent der Stimmen (2016: 4,9 Prozent; 2012: 1,7 Prozent).

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Wie hoch ist die Wahlbeteiligung?

  • Die Wahlbeteiligung bei den diesjährigen Präsidentschaftswahlen bewegt sich auf ein neues Rekordhoch zu. Nach vorläufigen Berechnungen liegt die Wahlbeteiligung laut des "U.S. Election Projects" bei 66,4 Prozent. Rund 160 Millionen Wahlberechtigte gaben ihre Stimme ab (Quelle: "U.S. Election Project").
  • Bereits vor der Wahl haben mehr als 101 Millionen US-Amerikaner*innen per Briefwahl gewählt oder persönlich ihre Stimme abgegeben. Das sind über 70 Prozent aller Stimmen, die vier Jahre zuvor abgegeben wurden (Quelle: "U.S. Elections Project").
  • Wegen der Corona-Pandemie haben deutlich mehr Menschen ihre Stimme per Briefwahl abgegeben. Die Auszählung verzögert sich daher deutlich. 
  • 2016 lag die Wahlbeteiligung bei 61,4 Prozent (Quelle: "U.S. Census Bureau").

Anmerkung zur Methodik: Die Zahlen beziehen sich darauf, wie viele Wahlberechtigte für einen Präsidentschaftskandidaten abgestimmt haben ("voter turnout rate for the highest office"). Da am 3. November 2020 in den USA auch über zahlreiche andere Amtsträger*innen abgestimmt wurde (US-Senat, US-Abgeordnetenhaus usw.), dürfte die allgemeine Wahlbeteiligung sogar noch höher liegen.

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Welche Wählergruppen haben wie abgestimmt?

Ausführliche Auswertungen der Wahlergebnisse liegen bislang nicht vor. Der amerikanische Fernsehsender CNN hat jedoch in Kooperation mit ABC News, CBS News und NBC News Wahlberechtigte nach ihrer Abstimmung gefragt, wen sie gewählt hätten. Wegen der Corona-Pandemie fanden die Befragungen nicht nur am Wahltag vor den Wahllokalen statt, sondern bereits im Vorfeld.

So befragten die Interviewer im Monat vor der Wahl in acht Bundesstaaten Frühwähler*innen, die ihre Stimme in den Wahllokalen schon vor dem Wahltag abgeben konnten. Hinzu kamen Telefoninterviews, um auch die hohe Zahl an Briefwähler*innen repräsentativ zu berücksichtigen. Insgesamt wurden 15.590 Personen befragt.

Aus diesen Datenerhebungen, den Exit Polls, lassen sich gewisse Rückschlüsse darauf ziehen, wer den Republikaner Donald Trump und wer den Demokraten Joe Biden gewählt hat.

(Quellen: CNN Exit Polls; Methodik: How the exit polls will work in a pandemic).

 

Abstimmungsverhalten nach Geschlecht

Laut den CNN-Exit Polls haben 53 Prozent der Wähler für Trump gestimmt und 45 Prozent für Joe Biden. Biden konnte bei den Männern gegenüber Hillary Clinton vor vier Jahren zulegen. Bei den Wählerinnen holte Joe Biden mehr Stimmen (57 Prozent) als Donald Trump (42 Prozent). 47 Prozent der Befragten waren Männer, 53 Prozent Frauen. 

Abstimmungsverhalten nach Alter

Jüngere Wähler*innen haben eher für Biden gestimmt, ältere eher für Trump, wie die CNN-Exit Polls zeigen. Bei den 18- bis 29-Jährigen stimmten nur 36 Prozent für Trump (und 60 Prozent für Biden). Bei den 30- bis 44-Jährigen holte Trump 46 Prozent (Biden: 52 Prozent). Bei den 45- bis 64-Jährigen, der wichtigsten Altersgruppe bei diesen Wahlen, lagen beide Kontrahenten nahezu gleich auf (Trump 49 Prozent, Biden 50 Prozent). Bei den Über-65-Jährigen hat Trump einen leichten Vorsprung von 52 zu 47 Prozent. Von den Befragten gehörten 17 Prozent zur Gruppe der 18- bis 29-Jährigen, 24 Prozent zur Gruppe der 30- bis 44-Jährigen, 38 Prozent zur Gruppe der 45- bis 64-Jährigen und 22 Prozent zur Gruppe der Über-65-Jährigen. 

 

Abstimmungsverhalten nach Ethnie

Bei weißen Wähler*innen hat Trump mit 58 Prozent klar gewonnen (Biden: 41 Prozent) - Weiße machten 65 Prozent aller befragten Wähler*innen aus. Bei allen anderen Ethnien siegte Biden klar: Bei schwarzen Wähler*innen holte der demokratische Kandidat 87 Prozent, bei Latinos 65 Prozent und bei Asiaten 61 Prozent. Allerdings stellten Schwarze nur zwölf Prozent der befragten Wähler*innen, Latinos 13 Prozent und Asiaten drei Prozent.

Werden ethnische Minderheiten bei US-Wahlen benachteiligt?

(Für die Präsidentschaftswahlen am 3. November 2020 liegen noch keine abschließenden Zahlen zur Wahlbeteiligung unterschiedlicher ethnischer Gruppen vor. Sobald diese vorliegen, werden wir diese berücksichtigen.)

Angehörige von Minderheiten, besonders schwarze Wähler*innen, wurden bei Wahlen in den USA lange benachteiligt. Zwar erhielten frühere (männliche) Sklaven bereits 1870 theoretisch das Wahlrecht, doch einzelne US-Bundesstaaten konnten dieses Recht in der Praxis stark einschränken.

Schwarze Bürger*innen mussten in manchen, v.a. in südlichen Bundesstaaten, beispielsweise sogenannte "literacy tests" bestehen, um als Wähler*innen registriert zu werden. Sie mussten dabei nicht nur Lese- und Schreibkenntnisse nachweisen, sondern häufig auch lange Fragenkataloge zu abseitigen rechtlichen Aspekten beispielsweise der Verfassung beantworten (Beispiele für "literacy tests"). Manche Bundesstaaten erhoben besondere Steuern, wenn jemand sein Wahlrecht ausüben wollte. Solche Praktiken wurden durch den Voting Rights Act von 1965 weitgehend verboten.

Trotzdem gibt es bis heute Vorwürfe gegen einzelne Bundesstaaten, sie versuchten durch eine restriktive Wahlgesetzgebung, den Anteil von zum Beispiel schwarzen Wähler*innen niedrig zu halten. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, ob man einen Ausweis mit Foto braucht, um sich als Wähler*in registrieren zu lassen. Die Bundesstaaten haben auch unterschiedliche Regelungen bezüglich der Zulässigkeit von Briefwahlen oder der Frage, ob man sich noch am Wahltag registrieren lassen kann.

Die Wahlbeteiligung von Minderheiten war lange Zeit wesentlich niedriger als bei weißen Wähler*innen. Allerdings hat sich das in den vergangenen Jahren geändert: Bei den Präsidentschaftswahlen 2008 und 2012 war die Beteiligung schwarzer Wähler*innen überdurchschnittlich, wozu sicherlich auch die Mobilisierungswirkung von Barack Obama beigetragen hat. Bei den Wahlen von 2012 war die Beteiligung unter schwarzen Wähler*innen (66,2 Prozent) sogar höher als bei weißen Wähler*innen (64,1 Prozent) (Quelle: US-Census Bureau).

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Wer holt die Mehrheit im Kongress?

Senat (US Senate):

Für beide Parteien war das Rennen um zwei Sitze im Senat für den Bundesstaat Georgia noch offen. Über beide Mandate wurde am 5. Januar 2021 in einer Stichwahl entschieden. Nach bisherigen Medienberichten haben die Demokraten die zwei Senatssitze gewonnen (Quelle: tagesschau.de). Die offizielle Bestätigung steht jedoch noch aus. Damit haben die Republikaner und die Demokraten jeweils 50 Sitze im Senat. Bei einem Patt gibt die künftige Vizepräsidentin Kamala Harris von den Demokraten mit ihrer Stimme den Ausschlag. Durch diesen Vorteil wird es für den künftigen Präsidenten Joe Biden von den Demokraten einfacher, seine Vorhaben im Senat durchzubringen.

35 von 100 Sitzen im Senat waren bei den Wahlen am 3. November 2020 neu zu besetzen. Seit 2014 hatten die Republikaner eine Mehrheit von 53 zu 47 Sitzen - nun haben die Demokraten einen Vorteil.

Repräsentantenhaus (House of Representatives): 

Die US-Demokraten konnten ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigen. Aktuell haben sie laut CNN 222 Sitze errungen - 218 Sitze benötigt man mindestens für eine Mehrheit. Die US-Republikaner verfügen aktuell über 211 Abgeordnete. Seit den Midterm Elections 2018 haben die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Am 3. November 2020 wurden alle 435 Abgeordnete des Repräsentantenhauses neu gewählt  (Quelle: CNN).

Wer die Mehrheit im US-Senat und im Repräsentantenhaus (also dem Kongress) hat, hat eine große Bedeutung für die amerikanische Politik. Der US-Präsident kann Gesetze nur verabschieden, wenn diese auch vom Kongress, der gesetzgebenden Gewalt der USA, beschlossen werden. Für die Ratifizierung internationaler Verträge ist außerdem eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Senat notwendig. Zudem muss der Senat bei wichtigen Personalien wie der Ernennung oberster Richter*innen oder Minister*innen seine Zustimmung geben.

 

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Welche Swing States gehen an Trump bzw. Biden?

Stand: 16.11.2020

Mittlerweile ist das Rennen in allen 50 Bundesstaaten entschieden. In einigen Swing States, auch Battleground States genannt, sind die Ergebnisse äußerst knapp ausgefallen. Dazu gehören Arizona, Georgia, Pennsylvania und Wisconsin, die der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden für sich gewinnen konnte. Dagegen holte Donald Trump von den Republikanern die Stimmen der Wahlleute aus North Carolina mit einer hauchdünnen Mehrheit.

Auch Ohio wurde als Swing State gehandelt, hier fiel das Wahlergebnis jedoch eindeutig zugunsten Donald Trumps aus. Der Präsident konnte auch die Stimmen der Wahlleute im heiß umkämpften Bundesstaat Florida hinter sich vereinen. Für Texas, das sich eigentlich fest in republikanischer Hand befindet, hatten sich die Demokraten in diesem Jahr Chancen ausgerechnet. Doch am Ende ging der Bundesstaat mit seinen 38 Wahlleuten ebenfalls an Trump. Joe Biden punktete dagegen in Michigan und Nevada. Nach bisherigen Auszählungen führt Joe Biden mit 306 zu 232 Stimmen und hat damit eine deutliche Mehrheit der insgesamt 538 Wahlleute des Electoral College (Quelle: CNN).

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Warum lagen die Meinungsforscher in den Umfragen wieder falsch?

Noch ist die Analyse der Umfragen und ihrer Ergebnisse nicht abgeschlossen. Doch wie bereits 2016 lagen die US-Meinungsforscher*innen auch bei der Wahl 2020 wieder daneben. Sie hatten einen klaren Sieg für den Herausforderer Joe Biden von den Demokraten prognostiziert.

Am Ende wurde es ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Bundesstaaten, wo Biden zuvor in Umfragen geführt hatte. In anderen Bundesstaaten wie Texas oder Ohio, wo sich die Demokraten aufgrund der Umfragen Chancen ausgerechnet hatten, gewann der US-Präsident eindeutig. Besonders überraschend war der Wahlsieg Donald Trumps im hart umkämpften Bundesstaat Florida, mit dem die Meinungsforscher so nicht gerechnet hatten.

Woran liegt das? Darüber sind sich die Demoskopen noch nicht abschließend klar. Nach den falschen Umfrageergebnissen im Wahljahr 2016 hatten die Meinungsforschungsinstitute ihre Umfragen neu gewichtet, den Faktor Bildung stärker in den Vordergrund gerückt und auch berücksichtigt, dass sich bis zum Schluss noch etwas ändern könne. Und dennoch lagen sie auch bei dieser Präsidentschaftswahl wieder daneben.

Drei mögliche Gründe führen die Meinungsforscher*innen derzeit an:

  • Viele Trump-Anhänger*innen ließen sich schlichtweg nicht befragen, weil sie den Umfragen misstrauen. Daher fehlen ihre Meinungen.
  • Möglich ist auch, dass Trump-Wähler*innen ihre Wahlabsicht verschweigen.
  • Der asymmetrische Wahlkampf könnte sich auf das Wahlergebnis ausgewirkt haben. Während die Demokraten ihren Wahlkampf überwiegend im Internet geführt hatten, gingen die Republikaner von Haustür zu Haustür und hielten große Wahlkampfveranstaltungen ab. Dadurch hätten sie gegebenenfalls mehr Wähler*innen mobilisieren können.

Quelle: tagesschau.de

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Wie geht es nach der Wahl weiter?

Wie sieht der Fahrplan für die kommenden Wochen bis zur Amtseinführung am 20. Januar 2021 aus? Welche Pläne verfolgt Biden? Und wie reagiert Trump auf die Wahlniederlage? Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie in unserer Chronologie nach der Wahl.

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Letzte Aktualisierung: 7. Januar 2021, Internetredaktion der LpB BW